Selbständige in der Schweiz sollten rund 30% ihres Gewinns für Steuern und AHV zurücklegen; bei hohen Einkommen oder in steuerlich teuren Gemeinden eher 35 bis 40%. Die Rechnung dahinter: Auf dem Reingewinn zahlst du gemäss AHV-Merkblatt 2.02 10.0% AHV/IV/EO (voller Satz ab CHF 60'500, darunter sinkende Skala ab CHF 10'100, mindestens CHF 530 pro Jahr), dazu kommen Familienzulagen und Verwaltungskosten der Ausgleichskasse sowie die Einkommenssteuer von Bund, Kanton und Gemeinde. Weil Ausgleichskasse und Steueramt im laufenden Jahr nur Akontorechnungen auf Basis alter Zahlen stellen, kommt die echte Rechnung oft ein bis zwei Jahre später. Dieser Artikel zeigt mit drei Rechenbeispielen, wie viel du je nach Gewinn tatsächlich zurücklegen musst und wie du die Abgabenlast legal senkst.
Welche Abgaben kommen auf dich zu?
Als Selbständiger in der Schweiz zahlst du folgende Abgaben auf deinen Gewinn:
1. AHV/IV/EO-Beiträge
Als Selbständigerwerbender zahlst du den gesamten Beitrag selbst. Es gibt keinen Arbeitgeber, der die Hälfte übernimmt.
| Einkommen | Beitragssatz AHV/IV/EO |
|---|---|
| Bis CHF 10'100 | Mindestbeitrag CHF 530/Jahr |
| CHF 10'100 – 60'500 | Sinkende Skala (5.371% – 9.321%) |
| Ab CHF 60'500 | 10.0% |
Quelle: Merkblatt 2.02 «Beiträge der Selbständigerwerbenden» des BSV, gültig seit 1. Januar 2026. Dazu kommen Verwaltungskosten der Ausgleichskasse (je nach Kasse, gesetzlich höchstens 5% der Beiträge). Bei geringfügigem selbständigem Nebenerwerb bis CHF 2'500 Reingewinn pro Jahr werden Beiträge nur auf dein Verlangen erhoben.
Wichtig: Die AHV-Beiträge basieren auf deinem definitiven Einkommen gemäss Steuererklärung. Im laufenden Jahr zahlst du Akontobeiträge, die später angepasst werden. Mehr dazu in unserem Artikel zu den AHV-Beiträgen für Selbständige.
2. Einkommenssteuer (Bund, Kanton, Gemeinde)
Die Einkommenssteuer in der Schweiz setzt sich aus drei Ebenen zusammen:
- Direkte Bundessteuer: Progressiv, 0% bis 11.5%
- Kantonssteuer: Variiert stark je nach Kanton
- Gemeindesteuer: Prozentsatz auf die Kantonssteuer (Steuerfuss)
Die Gesamtbelastung hängt stark von Kanton und Gemeinde ab: Bei gleichem Gewinn liegen zwischen einer steuergünstigen Gemeinde in der Zentralschweiz und einer Stadt in der Westschweiz schnell mehrere Tausend Franken pro Jahr. Pauschale Prozentsätze je Kanton sind deshalb wenig verlässlich. Deinen konkreten Grenzsteuersatz für Kanton und Gemeinde rechnest du mit unserem Steuerrechner für Selbständige oder mit dem offiziellen Steuerrechner der ESTV nach.
3. Familienzulagen (FAK)
Selbständige zahlen je nach Kanton 1.0% bis 3.0% des Einkommens an die Familienausgleichskasse, auch wenn sie keine Kinder haben.
Die Faustregel: Wie viel Prozent zurücklegen?
Selbständige legen am besten mindestens 30% ihres Gewinns zurück; wie sich dieser Satz aus AHV/IV/EO, Familienzulagen und Steuern zusammensetzt, zeigt die Tabelle je Einkommensstufe (AHV-Sätze gemäss Merkblatt 2.02, Steuern als grobe Bandbreite über die Kantone):
| Gewinn (Reinertrag) | AHV/IV/EO + FAK | Steuern (ca.) | Total zurücklegen |
|---|---|---|---|
| CHF 40'000 | ~8% | ~12-15% | ~20-23% |
| CHF 60'000 | ~10% | ~15-20% | ~25-30% |
| CHF 80'000 | ~10% | ~18-25% | ~28-35% |
| CHF 100'000 | ~10% | ~22-30% | ~32-40% |
| CHF 150'000 | ~10% | ~28-35% | ~38-45% |
Die Faustregel: Lege mindestens 30% deines Gewinns auf ein separates Konto. Bei höheren Einkommen oder steuerlich teuren Kantonen eher 35-40%.
Drei Rechenbeispiele
Die Steuerbeträge in den Beispielen sind gerundete Annahmen für eine städtische Gemeinde; die exakten Werte hängen von Gemeinde, Abzügen und Zivilstand ab und lassen sich mit dem Steuerrechner nachrechnen. Die AHV-Beiträge folgen dem Merkblatt 2.02.
Beispiel 1: Freelance-Designerin, CHF 60'000 Gewinn, Kanton Zürich
Gewinn: CHF 60'000
AHV/IV/EO (9.321%, Skala): CHF 5'593
FAK (~1.2%): CHF 720
Verwaltungskosten AHV: CHF 200
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Total Sozialversicherungen: CHF 6'513
Direkte Bundessteuer: CHF 800
Kantons-/Gemeindesteuer (ZH): CHF 7'500
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Total Steuern: CHF 8'300
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TOTAL ABGABEN: CHF 14'813
In Prozent vom Gewinn: ~24.7%
Pro Monat zurücklegen: CHF 1'234
Empfehlung: CHF 1'300 pro Monat auf das Steuerkonto. So hast du am Jahresende einen kleinen Puffer.
Beispiel 2: IT-Freelancer, CHF 100'000 Gewinn, Kanton Zürich
Gewinn: CHF 100'000
AHV/IV/EO (10%): CHF 10'000
FAK (~1.2%): CHF 1'200
Verwaltungskosten AHV: CHF 350
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Total Sozialversicherungen: CHF 11'550
Direkte Bundessteuer: CHF 2'500
Kantons-/Gemeindesteuer (ZH): CHF 16'500
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Total Steuern: CHF 19'000
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TOTAL ABGABEN: CHF 30'550
In Prozent vom Gewinn: ~30.6%
Pro Monat zurücklegen: CHF 2'546
Empfehlung: CHF 2'600 pro Monat auf das Steuerkonto.
Beispiel 3: Berater, CHF 150'000 Gewinn, Kanton Bern
Gewinn: CHF 150'000
AHV/IV/EO (10%): CHF 15'000
FAK (~1.5%): CHF 2'250
Verwaltungskosten AHV: CHF 500
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Total Sozialversicherungen: CHF 17'750
Direkte Bundessteuer: CHF 6'500
Kantons-/Gemeindesteuer (BE): CHF 32'000
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Total Steuern: CHF 38'500
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TOTAL ABGABEN: CHF 56'250
In Prozent vom Gewinn: ~37.5%
Pro Monat zurücklegen: CHF 4'688
Empfehlung: CHF 4'800 pro Monat auf das Steuerkonto. Bei diesem Einkommen lohnt sich auch die Prüfung, ob eine GmbH-Gründung steuerlich günstiger wäre.
So reduzierst du die Abgabenlast
Bevor du über die Zahlen erschrickst: Du kannst deine Steuerlast legal senken. Jeder Franken, den du absetzt, reduziert deinen steuerbaren Gewinn und damit sowohl Steuern als auch AHV-Beiträge.
Säule 3a maximal einzahlen
Der wichtigste Steuerspartipp für Selbständige. Ohne Pensionskasse kannst du 20% deines Nettoerwerbseinkommens, höchstens CHF 36'288 pro Jahr (Stand 2026, Art. 7 BVV 3), in die Säule 3a einzahlen. Dieser Betrag wird vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen.
Bei einem Grenzsteuersatz von 30% spart das CHF 10'886 Steuern. Jedes Jahr.
Mehr dazu in unserem Artikel zur Säule 3a für Selbständige.
Geschäftsausgaben vollständig abziehen
Alles, was geschäftlich bedingt ist, reduziert deinen Gewinn:
- Bürokosten, Miete, Nebenkosten (bei Homeoffice: anteilig)
- Software-Abos, Telefon, Internet
- Weiterbildung
- Berufskleidung, Arbeitsmaterialien
- Fahrzeugkosten (geschäftlicher Anteil)
- Versicherungsprämien (geschäftlich)
Eine vollständige Übersicht findest du in unserem Artikel zu absetzbaren Geschäftsausgaben.
Freiwillig der Pensionskasse beitreten
Als Selbständiger ohne Angestellte kannst du dich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen. Die BVG-Beiträge sind steuerlich abzugsfähig. Das reduziert allerdings den maximalen 3a-Beitrag auf CHF 7'258.
Investitionen clever timen
Grössere Anschaffungen (Computer, Möbel, Software) in ein Jahr legen, in dem du hohen Gewinn erwartest. So nutzt du den Steuerabzug optimal.
Das Akontosystem: So funktioniert es
AHV-Akontobeiträge
Die AHV-Ausgleichskasse schickt dir Akontorechnungen basierend auf deinem letzten definitiven Einkommen. Das Problem: In den ersten Jahren oder bei schwankendem Einkommen stimmen diese Vorauszahlungen oft nicht mit dem tatsächlichen Einkommen überein.
Was passiert bei einer Nachzahlung: Wenn dein Einkommen höher ist als erwartet, kommt eine Nachforderung, unter Umständen inklusive Verzugszinsen.
Tipp: Wenn du merkst, dass dein Einkommen deutlich steigt, melde dich proaktiv bei der Ausgleichskasse und bitte um eine Anpassung der Akontobeiträge. Das vermeidet böse Überraschungen am Jahresende.
Steuer-Akontorechnungen
Die meisten Kantone verschicken provisorische Steuerrechnungen (Akontorechnungen), die du in Raten bezahlen kannst, typischerweise quartalsweise oder monatlich.
Das Tückische: Die provisorische Rechnung basiert auf der letzten definitiven Veranlagung. Wenn dein Einkommen seitdem gestiegen ist, reichen die Akontozahlungen nicht, und du bekommst eine Nachzahlung.
Die 5 grössten Fehler bei den Rücklagen
Fehler 1: Alles ausgeben
Der Klassiker: Alles, was auf dem Geschäftskonto eingeht, wird als verfügbares Einkommen behandelt und ausgegeben. Dann kommt die Steuerrechnung, und das Geld ist weg. Lösung: Separates Steuerkonto, automatische Überweisung bei jedem Zahlungseingang.
Fehler 2: Akontobeiträge nicht anpassen
Dein Geschäft wächst, aber die Akontobeiträge basieren noch auf dem Einkommen von vor zwei Jahren. Am Jahresende wartet eine fünfstellige Nachzahlung. Lösung: Akonto proaktiv anpassen lassen.
Fehler 3: Nur an Steuern denken, AHV vergessen
Die AHV-Beiträge sind mit rund 10% des Einkommens kein kleiner Posten. Viele Selbständige rechnen nur die Steuern ein und vergessen die AHV komplett. Lösung: AHV und Steuern zusammen kalkulieren.
Fehler 4: Säule 3a nicht ausschöpfen
Jeder Franken in der Säule 3a spart dir direkt Steuern. Wer den Maximalbetrag nicht einzahlt, verschenkt Geld. Lösung: Am Jahresanfang einen Dauerauftrag für die 3a einrichten.
Fehler 5: Kein Puffer für schlechte Monate
Selbständiges Einkommen schwankt. In guten Monaten fliesst viel, in schlechten wenig. Wenn du in guten Monaten nicht mehr zurücklegst, fehlt es in den schlechten. Lösung: Prozentsatz vom Umsatz statt festen Betrag zurücklegen.
Praktische Methoden für die Rücklagen
Methode 1: Prozentsatz pro Rechnung
Sobald ein Kunde bezahlt, überweist du sofort einen festen Anteil auf dein Steuerkonto. Das ist die einfachste und zuverlässigste Methode, weil die Rücklage automatisch mit dem Umsatz mitwächst.
Beispiel mit 30%:
- Zahlungseingang: CHF 5'000
- Sofort aufs Steuerkonto: CHF 1'500
- Frei verfügbar: CHF 3'500
Methode 2: Monatlicher Dauerauftrag
Du berechnest einen festen Monatsbetrag basierend auf deinem erwarteten Jahresgewinn und richtest einen Dauerauftrag ein. Einfach, aber weniger flexibel bei schwankendem Einkommen.
Methode 3: Quartalsweise Überprüfung
Alle drei Monate prüfst du deinen bisherigen Gewinn, berechnest die voraussichtlichen Abgaben und passt deine Rücklagen an. Aufwändiger, aber am genauesten.
Unsere Empfehlung: Methode 1 (Prozentsatz pro Rechnung) für den Alltag, kombiniert mit einer quartalsweisen Überprüfung.
Checkliste: Rücklagen richtig bilden
- Separates Steuerkonto eröffnen (bei deiner Bank oder als Unterkonto)
- 30-35% jedes Zahlungseingangs sofort auf das Steuerkonto überweisen
- Säule 3a maximal einzahlen (CHF 36'288 ohne PK, CHF 7'258 mit PK)
- Alle Geschäftsausgaben sauber erfassen und abziehen
- Akontobeiträge bei AHV und Steuern jährlich prüfen und ggf. anpassen
- Quartalsmässig: Bisherigen Gewinn berechnen und Rücklagen prüfen
- Puffer einplanen: Lieber 5% zu viel als zu wenig zurücklegen
Häufige Fragen
Wie viel Prozent muss ich als Selbständiger für Steuern und AHV zurücklegen?
Rund 30% des Gewinns als Untergrenze, bei Gewinnen ab etwa CHF 100'000 oder in steuerlich teuren Gemeinden 35 bis 40%. Davon entfallen gemäss Merkblatt 2.02 des BSV 10% auf AHV/IV/EO (ab CHF 60'500 Gewinn), dazu Familienzulagen und Verwaltungskosten; der Rest ist Einkommenssteuer von Bund, Kanton und Gemeinde.
Wie hoch sind die AHV-Beiträge für Selbständige 2026?
Maximal 10.0% des Reingewinns ab CHF 60'500 Jahreseinkommen. Darunter gilt die sinkende Beitragsskala von 5.371% bis 9.321% (ab CHF 10'100), bei tieferem Einkommen der Mindestbeitrag von CHF 530 pro Jahr; bei selbständigem Nebenerwerb bis CHF 2'500 Reingewinn werden Beiträge nur auf Verlangen erhoben. Quelle: AHV-Merkblatt 2.02. Deinen Beitrag rechnest du mit dem AHV-Rechner aus.
Was passiert, wenn ich die Akontobeiträge nicht anpasse?
Ausgleichskasse und Steueramt rechnen mit deinem letzten bekannten Einkommen. Steigt dein Gewinn, sind die Akontorechnungen zu tief, und mit der definitiven Veranlagung kommt eine Nachforderung, bei der AHV unter Umständen mit Verzugszins. Melde ein deutlich höheres Einkommen deshalb proaktiv der Ausgleichskasse und beantrage beim Steueramt eine höhere provisorische Rechnung.
Kann ich Steuern und AHV gleichzeitig senken?
Ja, über die Geschäftsausgaben: Beide Abgaben basieren auf dem Reingewinn, also senkt jeder Franken belegter Geschäftsaufwand Steuern und AHV-Beiträge zugleich. Die Säule 3a wirkt auf die Steuern: Gemäss Art. 7 BVV 3 sind 2026 bis CHF 7'258 mit Pensionskasse und ohne Pensionskasse 20% des Nettoerwerbseinkommens, höchstens CHF 36'288, vom steuerbaren Einkommen abziehbar.
Sind die Rücklagen selbst steuerlich abzugsfähig?
Nein. Geld, das du für Steuern zurücklegst, bleibt dein Vermögen und ist weder als Aufwand noch als Rückstellung abziehbar; auch die Einkommenssteuer selbst ist nicht abzugsfähig. Abziehbar sind dagegen die bezahlten AHV/IV/EO-Beiträge, Beiträge an die Säule 3a im Rahmen der Limiten und alle geschäftlich begründeten Ausgaben.
Fazit
Die Rücklage von mindestens 30% des Gewinns ist die einfache Formel; bei höheren Einkommen oder steuerlich teuren Kantonen eher 35-40%. Allein die AHV/IV/EO kostet gemäss Merkblatt 2.02 ab CHF 60'500 Gewinn 10% des Reingewinns, der Rest entfällt auf Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern. Nutze ein separates Konto, überweise sofort bei jedem Zahlungseingang und schöpfe die Säule 3a aus.
Wer das konsequent durchzieht, erlebt bei der Steuerrechnung keine Überraschungen, sondern hat vielleicht sogar etwas übrig.
Und der wichtigste Tipp: Buchhaltung laufend führen. Nur wenn du deinen aktuellen Gewinn kennst, kannst du sinnvoll Rücklagen bilden. Wer erst am Jahresende seine Zahlen zusammensucht, tappt im Dunkeln.
Wie du deine Buchhaltung als Selbständiger von Anfang an richtig aufsetzt, haben wir in einem separaten Artikel beschrieben.



