Wie viel Rücklagen für Steuern und AHV? Der Guide für Schweizer Selbständige

Die Steuerrechnung kommt, die AHV-Nachzahlung auch, und das Konto ist leer. So berechnest du, wie viel du als Selbständiger in der Schweiz zurücklegen musst.

8 min read
SteuernAHVRücklagenSelbständigeFinanzplanung

Es ist der teuerste Fehler, den Selbständige in der Schweiz machen: Sie geben ihr gesamtes Einkommen aus und stehen dann vor einer Steuerrechnung, die sie nicht bezahlen können. Dazu kommen die AHV-Nachzahlungen, und plötzlich wird es eng.

Dieser Artikel zeigt dir, wie viel du tatsächlich zurücklegen musst, mit konkreten Berechnungsbeispielen für verschiedene Einkommensstufen. Keine Pauschalaussagen, sondern Zahlen, mit denen du rechnen kannst.

Welche Abgaben kommen auf dich zu?

Als Selbständiger in der Schweiz zahlst du folgende Abgaben auf deinen Gewinn:

1. AHV/IV/EO-Beiträge

Als Selbständigerwerbender zahlst du den gesamten Beitrag selbst. Es gibt keinen Arbeitgeber, der die Hälfte übernimmt.

Einkommen Beitragssatz AHV/IV/EO
Bis CHF 9'800 Mindestbeitrag CHF 530/Jahr
CHF 9'800 – 60'500 Sinkende Skala (5.371% – 10%)
Ab CHF 60'500 10.0%

Dazu kommen Verwaltungskosten der Ausgleichskasse (ca. 1-5% der Beiträge, je nach Kasse).

Wichtig: Die AHV-Beiträge basieren auf deinem definitiven Einkommen gemäss Steuererklärung. Im laufenden Jahr zahlst du Akontobeiträge, die später angepasst werden. Mehr dazu in unserem Artikel zu den AHV-Beiträgen für Selbständige.

2. Einkommenssteuer (Bund, Kanton, Gemeinde)

Die Einkommenssteuer in der Schweiz setzt sich aus drei Ebenen zusammen:

  • Direkte Bundessteuer: Progressiv, 0% bis 11.5%
  • Kantonssteuer: Variiert stark je nach Kanton
  • Gemeindesteuer: Prozentsatz auf die Kantonssteuer (Steuerfuss)

Die Gesamtbelastung hängt stark vom Kanton und der Gemeinde ab:

Kanton Grenzsteuersatz bei CHF 100'000 (ca.)
Zug ~22%
Schwyz ~24%
Zürich (Stadt) ~32%
Bern (Stadt) ~35%
Genf (Stadt) ~37%

3. Familienzulagen (FAK)

Selbständige zahlen je nach Kanton 1.0% bis 3.0% des Einkommens an die Familienausgleichskasse, auch wenn sie keine Kinder haben.

Die Faustregel: Wie viel Prozent zurücklegen?

Hier die ehrliche Antwort, aufgeschlüsselt nach Einkommensstufe:

Gewinn (Reinertrag) AHV/IV/EO + FAK Steuern (ca.) Total zurücklegen
CHF 40'000 ~8% ~12-15% ~20-23%
CHF 60'000 ~10% ~15-20% ~25-30%
CHF 80'000 ~10% ~18-25% ~28-35%
CHF 100'000 ~10% ~22-30% ~32-40%
CHF 150'000 ~10% ~28-35% ~38-45%

Die Faustregel: Lege mindestens 30% deines Gewinns auf ein separates Konto. Bei höheren Einkommen oder steuerlich teuren Kantonen eher 35-40%.

Drei Rechenbeispiele

Beispiel 1: Freelance-Designerin, CHF 60'000 Gewinn, Kanton Zürich

Gewinn:                           CHF 60'000

AHV/IV/EO (~10%):                CHF  6'000
FAK (~1.2%):                     CHF    720
Verwaltungskosten AHV:           CHF    200
─────────────────────────────────────────────
Total Sozialversicherungen:      CHF  6'920

Direkte Bundessteuer:            CHF    800
Kantons-/Gemeindesteuer (ZH):    CHF  7'500
─────────────────────────────────────────────
Total Steuern:                   CHF  8'300

═════════════════════════════════════════════
TOTAL ABGABEN:                   CHF 15'220
In Prozent vom Gewinn:           ~25.4%
Pro Monat zurücklegen:           CHF  1'268

Empfehlung: CHF 1'300 pro Monat auf das Steuerkonto. So hast du am Jahresende einen kleinen Puffer.

Beispiel 2: IT-Freelancer, CHF 100'000 Gewinn, Kanton Zürich

Gewinn:                           CHF 100'000

AHV/IV/EO (10%):                 CHF 10'000
FAK (~1.2%):                     CHF  1'200
Verwaltungskosten AHV:           CHF    350
─────────────────────────────────────────────
Total Sozialversicherungen:      CHF 11'550

Direkte Bundessteuer:            CHF  2'500
Kantons-/Gemeindesteuer (ZH):    CHF 16'500
─────────────────────────────────────────────
Total Steuern:                   CHF 19'000

═════════════════════════════════════════════
TOTAL ABGABEN:                   CHF 30'550
In Prozent vom Gewinn:           ~30.6%
Pro Monat zurücklegen:           CHF  2'546

Empfehlung: CHF 2'600 pro Monat auf das Steuerkonto.

Beispiel 3: Berater, CHF 150'000 Gewinn, Kanton Bern

Gewinn:                           CHF 150'000

AHV/IV/EO (10%):                 CHF 15'000
FAK (~1.5%):                     CHF  2'250
Verwaltungskosten AHV:           CHF    500
─────────────────────────────────────────────
Total Sozialversicherungen:      CHF 17'750

Direkte Bundessteuer:            CHF  6'500
Kantons-/Gemeindesteuer (BE):    CHF 32'000
─────────────────────────────────────────────
Total Steuern:                   CHF 38'500

═════════════════════════════════════════════
TOTAL ABGABEN:                   CHF 56'250
In Prozent vom Gewinn:           ~37.5%
Pro Monat zurücklegen:           CHF  4'688

Empfehlung: CHF 4'800 pro Monat auf das Steuerkonto. Bei diesem Einkommen lohnt sich auch die Prüfung, ob eine GmbH-Gründung steuerlich günstiger wäre.

So reduzierst du die Abgabenlast

Bevor du über die Zahlen erschrickst: Du kannst deine Steuerlast legal senken. Jeder Franken, den du absetzt, reduziert deinen steuerbaren Gewinn und damit sowohl Steuern als auch AHV-Beiträge.

Säule 3a maximal einzahlen

Der wichtigste Steuerspartipp für Selbständige. Ohne Pensionskasse kannst du bis zu CHF 36'288 pro Jahr (Stand 2026) in die Säule 3a einzahlen. Dieser Betrag wird vollständig vom steuerbaren Einkommen abgezogen.

Bei einem Grenzsteuersatz von 30% spart das CHF 10'886 Steuern. Jedes Jahr.

Mehr dazu in unserem Artikel zur Säule 3a für Selbständige.

Geschäftsausgaben vollständig abziehen

Alles, was geschäftlich bedingt ist, reduziert deinen Gewinn:

  • Bürokosten, Miete, Nebenkosten (bei Homeoffice: anteilig)
  • Software-Abos, Telefon, Internet
  • Weiterbildung
  • Berufskleidung, Arbeitsmaterialien
  • Fahrzeugkosten (geschäftlicher Anteil)
  • Versicherungsprämien (geschäftlich)

Eine vollständige Übersicht findest du in unserem Artikel zu absetzbaren Geschäftsausgaben.

Freiwillig der Pensionskasse beitreten

Als Selbständiger ohne Angestellte kannst du dich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen. Die BVG-Beiträge sind steuerlich abzugsfähig. Das reduziert allerdings den maximalen 3a-Beitrag auf CHF 7'258.

Investitionen clever timen

Grössere Anschaffungen (Computer, Möbel, Software) in ein Jahr legen, in dem du hohen Gewinn erwartest. So nutzt du den Steuerabzug optimal.

Das Akontosystem: So funktioniert es

AHV-Akontobeiträge

Die AHV-Ausgleichskasse schickt dir Akontorechnungen basierend auf deinem letzten definitiven Einkommen. Das Problem: In den ersten Jahren oder bei schwankendem Einkommen stimmen diese Vorauszahlungen oft nicht mit dem tatsächlichen Einkommen überein.

Was passiert bei einer Nachzahlung: Wenn dein Einkommen höher ist als erwartet, kommt eine Nachforderung, unter Umständen inklusive Verzugszinsen.

Tipp: Wenn du merkst, dass dein Einkommen deutlich steigt, melde dich proaktiv bei der Ausgleichskasse und bitte um eine Anpassung der Akontobeiträge. Das vermeidet böse Überraschungen am Jahresende.

Steuer-Akontorechnungen

Die meisten Kantone verschicken provisorische Steuerrechnungen (Akontorechnungen), die du in Raten bezahlen kannst, typischerweise quartalsweise oder monatlich.

Das Tückische: Die provisorische Rechnung basiert auf der letzten definitiven Veranlagung. Wenn dein Einkommen seitdem gestiegen ist, reichen die Akontozahlungen nicht, und du bekommst eine Nachzahlung.

Die 5 grössten Fehler bei den Rücklagen

Fehler 1: Alles ausgeben

Der Klassiker. Du verdienst CHF 8'000 im Monat und gibst CHF 8'000 aus. Dann kommt die Steuerrechnung, und das Geld ist weg. Lösung: Separates Steuerkonto, automatische Überweisung am Zahltag.

Fehler 2: Akontobeiträge nicht anpassen

Dein Geschäft wächst, aber die Akontobeiträge basieren noch auf dem Einkommen von vor zwei Jahren. Am Jahresende wartet eine fünfstellige Nachzahlung. Lösung: Akonto proaktiv anpassen lassen.

Fehler 3: Nur an Steuern denken, AHV vergessen

Die AHV-Beiträge sind mit rund 10% des Einkommens kein kleiner Posten. Viele Selbständige rechnen nur die Steuern ein und vergessen die AHV komplett. Lösung: AHV und Steuern zusammen kalkulieren.

Fehler 4: Säule 3a nicht ausschöpfen

Jeder Franken in der Säule 3a spart dir direkt Steuern. Wer den Maximalbetrag nicht einzahlt, verschenkt Geld. Lösung: Am Jahresanfang einen Dauerauftrag für die 3a einrichten.

Fehler 5: Kein Puffer für schlechte Monate

Selbständiges Einkommen schwankt. In guten Monaten fliesst viel, in schlechten wenig. Wenn du in guten Monaten nicht mehr zurücklegst, fehlt es in den schlechten. Lösung: Prozentsatz vom Umsatz statt festen Betrag zurücklegen.

Praktische Methoden für die Rücklagen

Methode 1: Prozentsatz pro Rechnung

Sobald ein Kunde bezahlt, überweist du sofort 30-35% auf dein Steuerkonto. Das ist die einfachste und zuverlässigste Methode.

Beispiel: Kunde zahlt CHF 5'000 → CHF 1'500 gehen sofort aufs Steuerkonto.

Methode 2: Monatlicher Dauerauftrag

Du berechnest einen festen Monatsbetrag basierend auf deinem erwarteten Jahresgewinn und richtest einen Dauerauftrag ein. Einfach, aber weniger flexibel bei schwankendem Einkommen.

Methode 3: Quartalsweise Überprüfung

Alle drei Monate prüfst du deinen bisherigen Gewinn, berechnest die voraussichtlichen Abgaben und passt deine Rücklagen an. Aufwändiger, aber am genauesten.

Unsere Empfehlung: Methode 1 (Prozentsatz pro Rechnung) für den Alltag, kombiniert mit einer quartalsweisen Überprüfung.

Checkliste: Rücklagen richtig bilden

  • Separates Steuerkonto eröffnen (bei deiner Bank oder als Unterkonto)
  • 30-35% jedes Zahlungseingangs sofort auf das Steuerkonto überweisen
  • Säule 3a maximal einzahlen (CHF 36'288 ohne PK, CHF 7'258 mit PK)
  • Alle Geschäftsausgaben sauber erfassen und abziehen
  • Akontobeiträge bei AHV und Steuern jährlich prüfen und ggf. anpassen
  • Quartalsmässig: Bisherigen Gewinn berechnen und Rücklagen prüfen
  • Puffer einplanen: Lieber 5% zu viel als zu wenig zurücklegen

Fazit

Die Formel ist einfach: Lege mindestens 30% deines Gewinns zurück. Bei höheren Einkommen oder steuerlich teuren Kantonen eher 35-40%. Nutze ein separates Konto, überweise sofort bei jedem Zahlungseingang und schöpfe die Säule 3a aus.

Wer das konsequent durchzieht, erlebt bei der Steuerrechnung keine Überraschungen, sondern hat vielleicht sogar etwas übrig.

Und der wichtigste Tipp: Buchhaltung laufend führen. Nur wenn du deinen aktuellen Gewinn kennst, kannst du sinnvoll Rücklagen bilden. Wer erst am Jahresende seine Zahlen zusammensucht, tappt im Dunkeln.

Wie du deine Buchhaltung als Selbständiger von Anfang an richtig aufsetzt, haben wir in einem separaten Artikel beschrieben.

Gewinn und Rücklagen immer im Blick: Teste Pfeffersack kostenlos.

Pfeffersackhttps://pfeffersack.ch/blog/ruecklagen-steuern-ahv-selbstaendige-schweiz