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Buchungssätze Beispiele Schweiz: Die 30 wichtigsten für KMU und Selbständige

Buchungssätze Beispiele Schweiz: Die 30 wichtigsten für KMU und Selbständige

Die 30 häufigsten Buchungssätze für Schweizer KMU und Selbständige mit Kontonummern nach Kontenrahmen KMU. Vom Warenverkauf über MWST bis zur Dividende -- praxisnah erklärt.

Wasili Aebi
15. März 2026
Aktualisiert: 10. Juli 2026
16 min read
BuchhaltungBuchungssätzeKMUKontenrahmenSchweizDoppelte BuchhaltungMWST
TL;DR

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Buchungssatz hat mindestens zwei Zeilen: Die Summe von Soll und Haben ist immer gleich — man schreibt «Soll an Haben».
  • Merkregel: Aktiven und Aufwand nehmen im Soll zu, Passiven und Ertrag im Haben.
  • Bei MWST-pflichtigen Geschäften wird der Bruttobetrag immer aufgeteilt: netto aufs Aufwand- oder Ertragskonto, die Steuer auf 1170 Vorsteuer bzw. 2200 Geschuldete MWST.
  • Privatbezüge in der Einzelfirma sind kein Lohn und kein Aufwand — sie werden auf Konto 2850 Privat gebucht und reduzieren das Eigenkapital.
  • Die 30 Beispiele folgen dem Schweizer Kontenrahmen KMU und decken über 90 % der alltäglichen Geschäftsvorfälle ab.
  • Inhaltsverzeichnis
  • Kurze Auffrischung
  • Jeder Buchungssatz hat mindestens zwei Zeilen
  • Wann kommt etwas ins Soll, wann ins Haben?
  • Notation in den Beispielen
  • Tägliche Geschäftsvorfälle
  • Nr. 1: Warenverkauf auf Rechnung (mit MWST)
  • Nr. 2: Barzahlung einer Lieferantenrechnung
  • Nr. 3: Banküberweisung an Lieferant
  • Nr. 4: Kunde bezahlt deine Rechnung
  • Nr. 5: Bareinnahme (Verkauf am Tresen)
  • Einkauf und Aufwand
  • Nr. 6: Wareneinkauf auf Rechnung
  • Nr. 7: Büromaterial bar bezahlt
  • Nr. 8: Miete per Banküberweisung
  • Nr. 9: Telefonrechnung erhalten
  • Nr. 10: Versicherungsprämie per Bank
  • Mehrwertsteuer
  • Nr. 11: Wareneinkauf mit Vorsteuer
  • Nr. 12: Verkauf mit MWST
  • Nr. 13: MWST-Abrechnung und Zahlung
  • Löhne und Personal
  • Nr. 14: Lohnzahlung (vereinfacht)
  • Nr. 15: AHV-Abrechnung bezahlen
  • Abschreibungen und Anlagen
  • Nr. 16: Kauf einer Maschine
  • Nr. 17: Jährliche Abschreibung
  • Geldverkehr
  • Nr. 18: Barbezug von der Bank
  • Nr. 19: Bargeld auf die Bank einzahlen
  • Nr. 20: Bankgebühren
  • Eigenkapital und Gründung
  • Nr. 21: Stammkapital-Einlage bei GmbH-Gründung
  • Nr. 22: Gewinnvortrag nach Jahresabschluss
  • Nr. 23: Dividendenausschüttung (GmbH/AG)
  • Spezialfälle
  • Nr. 24: Privatbezug (Einzelfirma)
  • Nr. 25: Privateinlage (Einzelfirma)
  • Nr. 26: Debitorenverlust (Kunde zahlt nicht)
  • Nr. 27: Rückstellung bilden
  • Nr. 28: Transitorische Abgrenzung aktiv (TA)
  • Nr. 29: Skonto gewährt
  • Nr. 30: Fremdwährungsverlust
  • Tipps für Einsteiger
  • Wenn du unsicher bist: Zeichne T-Konten
  • Denke in zwei Fragen
  • MWST: Immer den Bruttobetrag aufteilen
  • Die häufigsten Fehler
  • Zusammenfassung
  • Häufige Fragen
  • Wie funktioniert ein Buchungssatz?
  • Muss ich als Einzelfirma Buchungssätze mit Soll und Haben buchen?
  • Wie buche ich die MWST richtig?
  • Wie verbuche ich meinen «Lohn» in der Einzelfirma?

Du sitzt vor deinem Beleg und fragst dich: Welches Konto kommt ins Soll, welches ins Haben? Damit bist du nicht allein. Buchungssätze sind das Handwerk der doppelten Buchhaltung -- und mit den richtigen Beispielen wird es schnell zur Routine.

In diesem Artikel findest du die 30 wichtigsten Buchungssätze für Schweizer KMU und Selbständige, sauber nach dem Kontenrahmen KMU aufgebaut. Alle Beispiele mit Kontonummern und konkreten Beträgen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kurze Auffrischung: Wie funktioniert ein Buchungssatz?
  2. Tägliche Geschäftsvorfälle (Nr. 1-5)
  3. Einkauf und Aufwand (Nr. 6-10)
  4. Mehrwertsteuer (Nr. 11-13)
  5. Löhne und Personal (Nr. 14-15)
  6. Abschreibungen und Anlagen (Nr. 16-17)
  7. Geldverkehr (Nr. 18-20)
  8. Eigenkapital und Gründung (Nr. 21-23)
  9. Spezialfälle (Nr. 24-30)
  10. Tipps für Einsteiger

Kurze Auffrischung

Bevor wir in die 30 Beispiele eintauchen, hier die wichtigsten Grundregeln:

Jeder Buchungssatz hat mindestens zwei Zeilen

Bei jeder Buchung wird mindestens ein Konto im Soll und ein Konto im Haben angesprochen. Die Summe von Soll und Haben ist immer gleich. Man schreibt: Soll an Haben.

Wann kommt etwas ins Soll, wann ins Haben?

Kontenart Zunahme Abnahme
Aktiven (Vermögen, Klasse 1) Soll Haben
Passiven (Schulden/Kapital, Klasse 2) Haben Soll
Aufwand (Klasse 4-6) Soll Haben
Ertrag (Klasse 3) Haben Soll

Eselsbrücke: Aktiven und Aufwand verhalten sich gleich -- Zunahme im Soll. Passiven und Ertrag sind umgekehrt -- Zunahme im Haben.

Notation in den Beispielen

In allen folgenden Beispielen verwende ich diese Darstellung:

Soll:  [Konto-Nr.] Kontoname    CHF X'XXX.XX
Haben: [Konto-Nr.] Kontoname    CHF X'XXX.XX

Die Kontonummern folgen dem Schweizer Kontenrahmen KMU (veb.ch Standard). Falls du unsicher bist, welche Konten es gibt, lies zuerst den Kontenrahmen-Leitfaden.


Tägliche Geschäftsvorfälle

Diese fünf Buchungssätze wirst du mit Abstand am häufigsten brauchen.

Nr. 1: Warenverkauf auf Rechnung (mit MWST)

Du stellst einem Kunden eine Rechnung über CHF 1'080.00 (inkl. 8.1% MWST).

Buchung Konto Soll Haben
Forderung entsteht 1100 Debitoren CHF 1'080.00
Ertrag 3200 Warenertrag CHF 999.07
MWST-Schuld 2200 Geschuldete MWST CHF 80.93

Warum? Dein Vermögen (Debitoren) steigt, gleichzeitig entsteht Ertrag und eine MWST-Schuld gegenüber dem Bund.

Tipp: Netto = Brutto / 1.081. Also CHF 1'080.00 / 1.081 = CHF 999.07 netto, CHF 80.93 MWST.

Nr. 2: Barzahlung einer Lieferantenrechnung

Du bezahlst eine offene Rechnung von CHF 500.00 bar aus der Kasse.

Buchung Konto Soll Haben
Schuld wird kleiner 2000 Kreditoren CHF 500.00
Kasse wird kleiner 1000 Kasse CHF 500.00

Warum? Die Schuld (Passiven) nimmt ab, also Soll. Die Kasse (Aktiven) nimmt ab, also Haben.

Nr. 3: Banküberweisung an Lieferant

Du überweist CHF 3'200.00 an einen Lieferanten per E-Banking.

Buchung Konto Soll Haben
Schuld wird kleiner 2000 Kreditoren CHF 3'200.00
Bankkonto wird kleiner 1020 Bank CHF 3'200.00

Gleiche Logik wie Nr. 2, nur mit Bank statt Kasse.

Nr. 4: Kunde bezahlt deine Rechnung

Dein Kunde überweist die offenen CHF 1'080.00 auf dein Bankkonto.

Buchung Konto Soll Haben
Bank wird grösser 1020 Bank CHF 1'080.00
Forderung wird kleiner 1100 Debitoren CHF 1'080.00

Warum? Geld kommt auf die Bank (Aktiven nehmen zu = Soll), die Forderung wird aufgelöst (Aktiven nehmen ab = Haben).

Nr. 5: Bareinnahme (Verkauf am Tresen)

Barverkauf von Waren für CHF 50.00 (ohne MWST, da z.B. unter der MWST-Grenze).

Buchung Konto Soll Haben
Kasse wird grösser 1000 Kasse CHF 50.00
Ertrag 3200 Warenertrag CHF 50.00

Einkauf und Aufwand

Jede Ausgabe, die du für dein Geschäft tätigst, wird als Aufwand verbucht.

Nr. 6: Wareneinkauf auf Rechnung

Du kaufst Waren für CHF 2'000.00 auf Rechnung (ohne MWST zur Vereinfachung).

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 4200 Handelswarenaufwand CHF 2'000.00
Schuld entsteht 2000 Kreditoren CHF 2'000.00

Nr. 7: Büromaterial bar bezahlt

Du kaufst Büromaterial für CHF 85.00 bar.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 6500 Verwaltungsaufwand CHF 85.00
Kasse wird kleiner 1000 Kasse CHF 85.00

Nr. 8: Miete per Banküberweisung

Deine Monatsmiete von CHF 2'500.00 wird abgebucht.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 6000 Raumaufwand CHF 2'500.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 2'500.00

Nr. 9: Telefonrechnung erhalten

Die Swisscom-Rechnung über CHF 120.00 trifft ein (noch nicht bezahlt).

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 6510 Telefon und Internet CHF 120.00
Schuld entsteht 2000 Kreditoren CHF 120.00

Beachte: Die Buchung erfolgt bei Rechnungseingang, nicht erst bei der Zahlung. Die Zahlung buchst du dann wie bei Nr. 3.

Nr. 10: Versicherungsprämie per Bank

Deine Betriebshaftpflicht von CHF 1'200.00 wird abgebucht.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 6300 Versicherungsaufwand CHF 1'200.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 1'200.00

Mehrwertsteuer

Die MWST-Buchungen sind für viele der schwierigste Teil. Hier die drei wichtigsten Fälle. Die aktuell gültigen Steuersätze publiziert die ESTV.

Nr. 11: Wareneinkauf mit Vorsteuer

Du kaufst Waren für CHF 1'081.00 brutto (inkl. 8.1% MWST) auf Rechnung.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand (netto) 4200 Handelswarenaufwand CHF 1'000.00
Vorsteuer-Guthaben 1170 Vorsteuer CHF 81.00
Schuld entsteht 2000 Kreditoren CHF 1'081.00

Warum? Du buchst den Aufwand netto (ohne MWST). Die MWST, die du bezahlst, ist dein Vorsteuer-Guthaben -- das bekommst du vom Bund zurück.

Merke: Bruttobetrag = Netto + MWST. Bei 8.1% gilt: Netto = Brutto / 1.081.

Nr. 12: Verkauf mit MWST

Identisch mit Nr. 1, aber nochmals zur Verdeutlichung der MWST-Logik. Du verkaufst eine Dienstleistung für CHF 5'405.00 brutto (inkl. 8.1% MWST).

Buchung Konto Soll Haben
Forderung entsteht 1100 Debitoren CHF 5'405.00
Ertrag (netto) 3400 Dienstleistungserlös CHF 5'000.00
MWST-Schuld 2200 Geschuldete MWST CHF 405.00

Warum? Du schuldest dem Bund die MWST auf deinen Verkäufen. Das Konto 2200 sammelt diese Schuld.

Nr. 13: MWST-Abrechnung und Zahlung

Am Quartalsende rechnest du ab: CHF 2'000.00 geschuldete MWST minus CHF 800.00 Vorsteuer = CHF 1'200.00 Zahllast.

Schritt 1 -- Verrechnung Vorsteuer:

Buchung Konto Soll Haben
MWST-Schuld sinkt 2200 Geschuldete MWST CHF 800.00
Vorsteuer aufgelöst 1170 Vorsteuer CHF 800.00

Schritt 2 -- Zahlung an Eidg. Steuerverwaltung:

Buchung Konto Soll Haben
Rest-MWST-Schuld sinkt 2200 Geschuldete MWST CHF 1'200.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 1'200.00

Nach diesen beiden Buchungen sind die Konten 2200 und 1170 auf null -- bereit für das nächste Quartal.


Löhne und Personal

Die Lohnbuchhaltung ist etwas komplexer, weil verschiedene Abzüge anfallen.

Nr. 14: Lohnzahlung (vereinfacht)

Du zahlst einem Mitarbeiter CHF 6'000.00 brutto. Abzüge: AHV/IV/EO (5.3%) CHF 318.00, ALV (1.1%) CHF 66.00, NBU/KTG CHF 50.00.

Buchung Konto Soll Haben
Bruttolohn 5000 Lohnaufwand CHF 6'000.00
AHV-Abzug Arbeitnehmer 2270 Verbindlichkeiten Sozialversicherungen CHF 318.00
ALV-Abzug Arbeitnehmer 2270 Verbindlichkeiten Sozialversicherungen CHF 66.00
NBU/KTG-Abzug 2270 Verbindlichkeiten Sozialversicherungen CHF 50.00
Nettolohn ausbezahlt 1020 Bank CHF 5'566.00

Warum? Der volle Bruttolohn geht als Aufwand ins Soll. Die Abzüge landen auf einem Passivkonto (du schuldest sie den Sozialversicherungen), und der Nettolohn fliesst von der Bank.

Wichtig: Den Arbeitgeberbeitrag (nochmals ca. 5.3% AHV etc.) buchst du separat auf Konto 5700 Sozialleistungen.

Nr. 15: AHV-Abrechnung bezahlen

Du überweist die gesammelten Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile) von CHF 1'500.00 an die Ausgleichskasse.

Buchung Konto Soll Haben
Schuld wird kleiner 2270 Verbindlichkeiten Sozialversicherungen CHF 1'500.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 1'500.00

Abschreibungen und Anlagen

Grössere Anschaffungen werden nicht sofort als Aufwand verbucht, sondern über mehrere Jahre abgeschrieben.

Nr. 16: Kauf einer Maschine

Du kaufst eine Maschine für CHF 25'000.00 per Bank.

Buchung Konto Soll Haben
Anlagevermögen steigt 1500 Maschinen und Apparate CHF 25'000.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 25'000.00

Warum? Die Maschine ist kein Aufwand, sondern ein Vermögenswert (Aktiven). Der Aufwand entsteht erst durch die jährliche Abschreibung.

Nr. 17: Jährliche Abschreibung

Du schreibst die Maschine um 20% ab: CHF 25'000.00 x 20% = CHF 5'000.00.

Buchung Konto Soll Haben
Abschreibungsaufwand 6800 Abschreibungen CHF 5'000.00
Wert der Maschine sinkt 1500 Maschinen und Apparate CHF 5'000.00

Nach dieser Buchung steht die Maschine noch mit CHF 20'000.00 in der Bilanz.


Geldverkehr

Buchungen zwischen deinen eigenen Konten -- kein Aufwand, kein Ertrag, reine Verschiebung.

Nr. 18: Barbezug von der Bank

Du hebst CHF 500.00 am Bancomat ab.

Buchung Konto Soll Haben
Kasse wird grösser 1000 Kasse CHF 500.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 500.00

Beachte: Dies ist ein reiner Aktivtausch -- die Bilanzsumme bleibt gleich.

Nr. 19: Bargeld auf die Bank einzahlen

Du bringst die Tageseinnahmen von CHF 1'200.00 auf die Bank.

Buchung Konto Soll Haben
Bank wird grösser 1020 Bank CHF 1'200.00
Kasse wird kleiner 1000 Kasse CHF 1'200.00

Genau umgekehrt wie Nr. 18.

Nr. 20: Bankgebühren

Die Bank belastet CHF 15.00 Kontoführungsgebühren.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand entsteht 6900 Finanzaufwand CHF 15.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 15.00

Eigenkapital und Gründung

Diese Buchungssätze brauchst du vor allem bei der Gründung einer GmbH und beim Jahresabschluss.

Nr. 21: Stammkapital-Einlage bei GmbH-Gründung

Die Gesellschafter zahlen das Stammkapital von CHF 20'000.00 ein.

Buchung Konto Soll Haben
Bank wird grösser 1020 Bank CHF 20'000.00
Eigenkapital entsteht 2800 Stammkapital CHF 20'000.00

Nr. 22: Gewinnvortrag nach Jahresabschluss

Der Jahresgewinn von CHF 35'000.00 wird vorgetragen.

Buchung Konto Soll Haben
Jahresergebnis auflösen 2979 Jahresgewinn CHF 35'000.00
Gewinnvortrag erhöhen 2970 Gewinnvortrag CHF 35'000.00

Nr. 23: Dividendenausschüttung (GmbH/AG)

Die GmbH schüttet CHF 10'000.00 Dividende aus. Davon gehen 35% Verrechnungssteuer ab.

Buchung Konto Soll Haben
Gewinnvortrag sinkt 2970 Gewinnvortrag CHF 10'000.00
Auszahlung (65%) 1020 Bank CHF 6'500.00
Verrechnungssteuer (35%) 2206 Verrechnungssteuer CHF 3'500.00

Warum? Die GmbH muss 35% Verrechnungssteuer an die ESTV abliefern. Der Empfänger erhält nur 65% und kann die VST in der Steuererklärung zurückfordern.


Spezialfälle

Diese Buchungssätze braucht man seltener, aber sie sind wichtig, wenn der Fall eintritt.

Nr. 24: Privatbezug (Einzelfirma)

Du überweist dir CHF 4'000.00 vom Geschäftskonto als "Lohn" (Einzelfirma hat keinen Lohn).

Buchung Konto Soll Haben
Privatbezug 2850 Privat CHF 4'000.00
Bank wird kleiner 1020 Bank CHF 4'000.00

Wichtig: In der Einzelfirma zahlst du dir keinen Lohn. Der Privatbezug reduziert dein Eigenkapital und ist kein Aufwand. Mehr dazu in unserem ausführlichen Artikel zu Privatentnahmen und Privateinlagen.

Nr. 25: Privateinlage (Einzelfirma)

Du schiesst CHF 5'000.00 aus dem Privatvermögen ins Geschäft ein.

Buchung Konto Soll Haben
Bank wird grösser 1020 Bank CHF 5'000.00
Eigenkapital steigt 2850 Privat CHF 5'000.00

Genau umgekehrt wie Nr. 24 -- dein Eigenkapital wächst.

Nr. 26: Debitorenverlust (Kunde zahlt nicht)

Ein Kunde mit einer offenen Rechnung über CHF 1'500.00 ist definitiv zahlungsunfähig.

Buchung Konto Soll Haben
Verlust als Aufwand 3800 Debitorenverluste CHF 1'500.00
Forderung ausbuchen 1100 Debitoren CHF 1'500.00

Tipp: Bevor du einen Debitorenverlust buchst, solltest du den Kunden ordentlich gemahnt und das Betreibungsverfahren geprüft haben.

Nr. 27: Rückstellung bilden

Du rechnest mit einer Gerichtskosten-Zahlung von ca. CHF 10'000.00 im nächsten Jahr und bildest eine Rückstellung.

Buchung Konto Soll Haben
Aufwand vorwegnehmen 6800 Ausserordentlicher Aufwand CHF 10'000.00
Rückstellung bilden 2330 Rückstellungen CHF 10'000.00

Warum? Rückstellungen bilden einen zukünftigen, wahrscheinlichen Aufwand bereits heute ab. Das entspricht dem Vorsichtsprinzip in der Buchhaltung.

Nr. 28: Transitorische Abgrenzung aktiv (TA)

Du zahlst im Dezember die Versicherungsprämie für Januar bis März des Folgejahres: CHF 3'000.00. Davon gehören CHF 3'000.00 ins neue Jahr.

Buchung Konto Soll Haben
Abgrenzung 1300 Transitorische Aktiven CHF 3'000.00
Aufwand korrigieren 6300 Versicherungsaufwand CHF 3'000.00

Warum? Die Prämie wurde als Aufwand gebucht, gehört aber wirtschaftlich ins Folgejahr. Mit den TA verschiebst du den Aufwand ins richtige Jahr. Im neuen Jahr löst du die TA wieder auf (umgekehrte Buchung).

Nr. 29: Skonto gewährt

Ein Kunde bezahlt CHF 970.00 statt CHF 1'000.00, weil er 3% Skonto nutzt.

Buchung Konto Soll Haben
Geld kommt rein 1020 Bank CHF 970.00
Skontoabzug 3900 Skonti CHF 30.00
Forderung aufgelöst 1100 Debitoren CHF 1'000.00

Beachte: Der Skonto wird als Ertragsminderung auf Konto 3900 erfasst, nicht als Aufwand.

Nr. 30: Fremdwährungsverlust

Du hast ein EUR-Konto. Bei der Umrechnung entsteht ein Kursverlust von CHF 150.00.

Buchung Konto Soll Haben
Kursverlust 6960 Kursdifferenzen CHF 150.00
EUR-Bankkonto korrigieren 1021 Bank EUR CHF 150.00

Warum? Der Wert deines EUR-Guthabens in CHF ist gesunken. Die Differenz ist ein Finanzaufwand.


Tipps für Einsteiger

Wenn du unsicher bist: Zeichne T-Konten

Nimm ein Blatt Papier und zeichne für jedes betroffene Konto ein T. Links ist Soll, rechts ist Haben. Trage den Betrag ein und prüfe: Macht die Zunahme oder Abnahme auf dieser Seite Sinn?

        1020 Bank                    6000 Raumaufwand
   ┌────────┬────────┐          ┌────────┬────────┐
   │  Soll  │ Haben  │          │  Soll  │ Haben  │
   │        │ 2'500  │          │ 2'500  │        │
   └────────┴────────┘          └────────┴────────┘

   Bank nimmt ab (Haben)        Aufwand nimmt zu (Soll)
   → Miete wird bezahlt         → Raumaufwand entsteht

Denke in zwei Fragen

Bei jedem Beleg stellst du dir zwei Fragen:

  1. Was passiert mit meinem Geld/Vermögen? (Welches Aktiv-Konto ist betroffen?)
  2. Warum passiert das? (Aufwand? Ertrag? Schuld?)

MWST: Immer den Bruttobetrag aufteilen

Wenn du MWST-pflichtig bist, buchst du nie den Bruttobetrag direkt auf ein Aufwand- oder Ertragskonto. Teile immer auf:

Einkauf (Vorsteuer) Verkauf (MWST)
Brutto Geht auf Kreditoren/Bank Kommt von Debitoren/Kasse
Netto Geht auf Aufwandkonto Geht auf Ertragskonto
MWST Geht auf 1170 Vorsteuer Geht auf 2200 Geschuldete MWST

Die häufigsten Fehler

  • Soll und Haben verwechselt: Prüfe immer, ob das Konto zunimmt oder abnimmt
  • Brutto statt netto gebucht: Bei MWST-pflichtigen Geschäften immer aufteilen
  • Privatbezug als Lohn gebucht: In der Einzelfirma gehört der Privatbezug auf Konto 2850, nicht auf 5000
  • Abschreibung vergessen: Grössere Anschaffungen (ab ca. CHF 1'000) gehören ins Anlagevermögen, nicht direkt in den Aufwand

Zusammenfassung

Die 30 Buchungssätze in diesem Artikel decken über 90% aller Geschäftsvorfälle ab, die dir als KMU oder Selbständige in der Schweiz begegnen. Wenn du diese beherrschst, bist du für den Alltag bestens gerüstet.

Die wichtigsten Punkte nochmals:

  • Jeder Buchungssatz hat mindestens zwei Zeilen: Soll und Haben sind immer gleich
  • Aktiven und Aufwand nehmen im Soll zu
  • Passiven und Ertrag nehmen im Haben zu
  • Bei MWST immer Brutto in Netto und Steuer aufteilen
  • Privatbezüge (Einzelfirma) sind kein Aufwand, sondern Eigenkapital-Reduktion
  • Grössere Anschaffungen werden aktiviert und über Jahre abgeschrieben

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Buchungssatz?

Jeder Buchungssatz spricht mindestens ein Konto im Soll und ein Konto im Haben an; die Summen beider Seiten sind immer gleich. Man schreibt «Soll an Haben». Ob ein Konto im Soll oder im Haben zunimmt, hängt von der Kontenart ab: Aktiven und Aufwand nehmen im Soll zu, Passiven und Ertrag im Haben. Die Grundlagen erklärt unser Artikel Doppelte Buchhaltung einfach erklärt.

Muss ich als Einzelfirma Buchungssätze mit Soll und Haben buchen?

Nein, erst ab CHF 500'000 Jahresumsatz ist die doppelte Buchhaltung Pflicht (Art. 957 OR). Darunter genügt eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung — wie sie unsere Milchbüechli-Rechnung-Anleitung beschreibt. Buchungssätze brauchst du nur, wenn du pflichtgemäss oder freiwillig doppelt buchst.

Wie buche ich die MWST richtig?

Bei MWST-pflichtigen Geschäften teilst du den Bruttobetrag immer auf: Der Nettobetrag geht auf das Aufwand- oder Ertragskonto, die Steuer auf 1170 Vorsteuer (beim Einkauf) bzw. 2200 Geschuldete MWST (beim Verkauf). Beim Normalsatz von 8.1 % gilt: Netto = Brutto / 1.081.

Wie verbuche ich meinen «Lohn» in der Einzelfirma?

In der Einzelfirma zahlst du dir keinen Lohn: Überweisungen vom Geschäfts- aufs Privatkonto sind Privatbezüge und werden auf Konto 2850 Privat gebucht — sie sind kein Aufwand und reduzieren das Eigenkapital. Details dazu: Privatentnahme und Privateinlage buchen.


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Begriffe aus dem Lexikon

Kurz und verständlich erklärt – mit Gesetzesbezug und Beispiel.

Buchungssatz

Buchhaltung

Die formalisierte Anweisung, welches Konto im Soll und welches im Haben gebucht wird — nach dem Prinzip «Soll an Haben».

Abschreibung

Buchhaltung

Erfasst nach OR 960a Abs. 3 den nutzungs- und altersbedingten Wertverlust von Anlagevermögen erfolgswirksam und mindert den Buchwert direkt oder indirekt.

Beleg

Buchhaltung

Das Dokument, das einem Geschäftsvorfall zugrunde liegt — Grundlage jeder Buchung nach dem Grundsatz «keine Buchung ohne Beleg».

Bruttolohn / Nettolohn

Lohn

Der Bruttolohn ist der vereinbarte Lohn vor Abzügen; der Nettolohn ist der ausbezahlte Betrag nach Abzug der Sozialversicherungen und allfälliger Quellensteuer.

Debitor

Buchhaltung

Kunde mit offener Forderung gegenüber dem Unternehmen — gleichzeitig Bezeichnung der entsprechenden Bilanzposition (Konto 1100).

Eigenkapital

Buchhaltung

Differenz zwischen Aktiven und Fremdkapital; umfasst nach OR 959a Aktien-/Stammkapital, gesetzliche und freiwillige Reserven sowie Bilanzgewinn bzw. -verlust.

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Buchhaltung Selbständige Schweiz: Pflichten 2026, Schwellenwerte (CHF 500'000 / CHF 100'000), MWST 8.1 %, 5-Phasen-Framework und Software-Vergleich ab CHF 7/Mt.

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