Du führst eine doppelte Buchhaltung und fragst dich, welche Konten du brauchst? Der Schweizer Kontenrahmen KMU ist dein Wegweiser. In diesem Artikel erkläre ich dir alles, was du über den Kontenrahmen wissen musst - einfach und verständlich.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Kontenrahmen?
- Kontenrahmen vs. Kontenplan
- Die 9 Kontenklassen im Überblick
- Wichtigste Konten für KMU
- Kontenplan erstellen - Schritt für Schritt
- Beispiel-Buchungen
- Häufige Fehler vermeiden
Was ist ein Kontenrahmen?
Der Kontenrahmen ist ein systematisches Verzeichnis aller möglichen Konten für die Buchhaltung. Er gibt vor:
- Welche Konten es gibt
- Wie sie nummeriert sind
- Wie sie gruppiert werden
Gut zu wissen: In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht, einen bestimmten Kontenrahmen zu verwenden. Der Kontenrahmen KMU von veb.ch hat sich aber als Standard etabliert.
Warum ist ein Kontenrahmen wichtig?
| Vorteil | Beschreibung | |---------|--------------| | Struktur | Einheitliche Organisation der Buchhaltung | | Vergleichbarkeit | Jahresabschlüsse verschiedener Jahre vergleichen | | Gesetzeskonformität | Erfüllt die Anforderungen des OR | | Software-Kompatibilität | Alle Buchhaltungsprogramme nutzen ihn |
Kontenrahmen vs. Kontenplan
Diese Begriffe werden oft verwechselt - hier der Unterschied:
Kontenrahmen
- Umfassend: Enthält ALLE möglichen Konten
- Allgemeingültig: Für alle Branchen
- Vorlage: Dient als Basis
Kontenplan
- Individuell: Nur die Konten, die DU brauchst
- Branchenspezifisch: An dein Geschäft angepasst
- Praktisch: Dein tatsächliches Arbeitsgerät
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│ │
│ KONTENRAHMEN KMU DEIN KONTENPLAN │
│ (Alle Konten) (Deine Auswahl) │
│ │
│ ┌─────────────────┐ ┌─────────────────┐ │
│ │ 1000 Kasse │ ───► │ 1000 Kasse │ │
│ │ 1010 PostFinance│ ───► │ 1020 Bank │ │
│ │ 1020 Bank │ │ 1100 Debitoren │ │
│ │ 1030 Bank 2 │ │ 2000 Kreditoren │ │
│ │ 1100 Debitoren │ │ 3000 Umsatz │ │
│ │ 1170 Vorsteuer │ │ ... │ │
│ │ ... │ └─────────────────┘ │
│ │ (500+ Konten) │ (30-50 Konten) │
│ └─────────────────┘ │
│ │
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Die 9 Kontenklassen im Überblick
Der Schweizer Kontenrahmen KMU ist in 9 Klassen unterteilt:
Bilanzkonten (Klassen 1-2)
Diese Konten zeigen, was du hast und was du schuldest.
| Klasse | Bezeichnung | Beschreibung | |--------|-------------|--------------| | 1 | Aktiven | Was du besitzt (Vermögen) | | 2 | Passiven | Was du schuldest (Kapital) |
Erfolgskonten (Klassen 3-8)
Diese Konten zeigen, was du verdienst und ausgibst.
| Klasse | Bezeichnung | Beschreibung | |--------|-------------|--------------| | 3 | Betriebsertrag | Einnahmen aus Verkäufen/Dienstleistungen | | 4 | Aufwand Material/Waren | Einkauf von Waren und Material | | 5 | Personalaufwand | Löhne, Sozialversicherungen | | 6 | Übriger Betriebsaufwand | Miete, Versicherungen, IT, etc. | | 7 | Betrieblicher Nebenerfolg | Zinsen, Mieterträge | | 8 | Ausserordentlicher Erfolg | Einmalige Gewinne/Verluste |
Abschluss (Klasse 9)
| Klasse | Bezeichnung | Beschreibung | |--------|-------------|--------------| | 9 | Abschluss | Gewinn/Verlust, Bilanz/ER |
Wichtigste Konten für KMU
Du brauchst nicht alle Konten. Hier die wichtigsten für kleine Unternehmen:
Klasse 1: Aktiven (Vermögen)
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│ KLASSE 1: AKTIVEN │
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│ Konto │ Bezeichnung │ Verwendung │
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│ 1000 │ Kasse │ Bargeld │
│ 1020 │ Bank │ Geschäftskonto │
│ 1100 │ Debitoren │ Offene Kundenrechnung │
│ 1170 │ Vorsteuer │ MWST-Guthaben │
│ 1200 │ Warenvorrat │ Lagerbestand │
│ 1500 │ Maschinen/Geräte │ Anlagevermögen │
│ 1520 │ Büromaschinen/IT │ Computer, etc. │
│ 1530 │ Fahrzeuge │ Geschäftsfahrzeuge │
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Klasse 2: Passiven (Schulden & Kapital)
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│ KLASSE 2: PASSIVEN │
├──────────┬──────────────────────────────┬───────────────────────┤
│ Konto │ Bezeichnung │ Verwendung │
├──────────┼──────────────────────────────┼───────────────────────┤
│ 2000 │ Kreditoren │ Offene Lieferanten │
│ 2200 │ Geschuldete MWST │ MWST-Schuld │
│ 2300 │ Darlehen │ Langfristige Schulden │
│ 2800 │ Eigenkapital │ Kapital Einzelfirma │
│ 2850 │ Stammkapital │ Kapital GmbH │
│ 2900 │ Privat │ Privatbezüge (EF) │
│ 2979 │ Jahresgewinn/-verlust │ Ergebnis │
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Klasse 3: Ertrag
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│ KLASSE 3: BETRIEBSERTRAG │
├──────────┬──────────────────────────────┬───────────────────────┤
│ Konto │ Bezeichnung │ Verwendung │
├──────────┼──────────────────────────────┼───────────────────────┤
│ 3000 │ Produktionserlös │ Verkauf Produkte │
│ 3200 │ Handelserlös │ Verkauf Handelswaren │
│ 3400 │ Dienstleistungserlös │ Beratung, Services │
│ 3800 │ Erlösminderungen │ Rabatte, Skonti │
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Klasse 4-6: Aufwand
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│ KLASSEN 4-6: AUFWAND │
├──────────┬──────────────────────────────┬───────────────────────┤
│ Konto │ Bezeichnung │ Verwendung │
├──────────┼──────────────────────────────┼───────────────────────┤
│ 4000 │ Materialaufwand │ Einkauf Material │
│ 4200 │ Handelswarenaufwand │ Einkauf Waren │
│ 5000 │ Lohnaufwand │ Gehälter │
│ 5700 │ Sozialversicherungen │ AHV, BVG, etc. │
│ 6000 │ Raumaufwand │ Miete, Nebenkosten │
│ 6100 │ Unterhalt/Reparaturen │ Wartung │
│ 6200 │ Fahrzeugaufwand │ Benzin, Service │
│ 6500 │ Verwaltungsaufwand │ Büro, Porto │
│ 6570 │ IT/EDV │ Software, Hosting │
│ 6600 │ Werbeaufwand │ Marketing │
│ 6800 │ Abschreibungen │ Wertverminderung │
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Kontenplan erstellen
So erstellst du deinen individuellen Kontenplan in 4 Schritten:
Schritt 1: Branche identifizieren
| Branche | Schwerpunkt | |---------|-------------| | Dienstleistung | Klasse 3400 (Dienstleistungserlös) | | Handel | Klasse 3200, 4200 (Handelswaren) | | Produktion | Klasse 3000, 4000 (Material) |
Schritt 2: Basiskonten auswählen
Jedes Unternehmen braucht mindestens:
Bilanz:
- ✅ 1000 Kasse oder 1020 Bank
- ✅ 1100 Debitoren
- ✅ 2000 Kreditoren
- ✅ 2800 Eigenkapital (oder 2850 bei GmbH)
Erfolgsrechnung:
- ✅ 3xxx Ertragskonto (je nach Branche)
- ✅ 6xxx Aufwandskonten
Schritt 3: MWST-Konten hinzufügen
Falls MWST-pflichtig:
- ✅ 1170 Vorsteuer (Guthaben)
- ✅ 2200 Geschuldete MWST (Schuld)
Schritt 4: Branchenspezifische Konten ergänzen
Beispiel IT-Dienstleister:
3400 Dienstleistungserlös
3410 Projekterlös
3420 Support-Erlös
6570 Software & Lizenzen
6571 Cloud-Services
6572 Hardware
Beispiel-Buchungen
Hier einige typische Buchungen mit dem Kontenrahmen KMU:
Beispiel 1: Kundenrechnung erstellen
Soll: 1100 Debitoren CHF 1'080.00
Haben: 3400 Dienstleistungserlös CHF 1'000.00
Haben: 2200 Geschuldete MWST CHF 80.00
Beispiel 2: Kunde bezahlt Rechnung
Soll: 1020 Bank CHF 1'080.00
Haben: 1100 Debitoren CHF 1'080.00
Beispiel 3: Büromaterial kaufen (bar)
Soll: 6500 Verwaltungsaufwand CHF 92.60
Soll: 1170 Vorsteuer CHF 7.40
Haben: 1000 Kasse CHF 100.00
Beispiel 4: Miete zahlen
Soll: 6000 Raumaufwand CHF 1'500.00
Haben: 1020 Bank CHF 1'500.00
Beispiel 5: Privatbezug (Einzelfirma)
Soll: 2900 Privat CHF 3'000.00
Haben: 1020 Bank CHF 3'000.00
Häufige Fehler vermeiden
❌ Fehler 1: Zu viele Konten
Problem: 200 Konten angelegt, aber nur 20 genutzt.
Lösung: Starte minimal und erweitere bei Bedarf.
❌ Fehler 2: Falsche Kontenklasse
Problem: Aufwand auf Ertragskonto gebucht.
Lösung: Merke: Ertrag = Klasse 3, Aufwand = Klasse 4-6
❌ Fehler 3: MWST vergessen
Problem: Brutto statt Netto gebucht.
Lösung: Bei jedem Beleg prüfen: Ist MWST enthalten?
❌ Fehler 4: Privat und Geschäft vermischt
Problem: Private Ausgaben auf Aufwandskonto.
Lösung: Konto 2900 Privat für alle Privatbezüge nutzen.
Zusammenfassung: Kontenrahmen auf einen Blick
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│ SCHWEIZER KONTENRAHMEN KMU │
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│ │
│ BILANZ ERFOLGSRECHNUNG │
│ ─────────────────── ─────────────────── │
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│ ┌─────────────────┐ ┌─────────────────┐ │
│ │ 1 AKTIVEN │ │ 3 ERTRAG │ │
│ │ (Vermögen) │ │ (Einnahmen) │ │
│ └─────────────────┘ └─────────────────┘ │
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│ ┌─────────────────┐ ┌─────────────────┐ │
│ │ 2 PASSIVEN │ │ 4-6 AUFWAND │ │
│ │ (Kapital) │ │ (Ausgaben) │ │
│ └─────────────────┘ └─────────────────┘ │
│ │
│ ┌─────────────────┐ │
│ │ 9 ABSCHLUSS │ │
│ │ (Gewinn/ │ │
│ │ Verlust) │ │
│ └─────────────────┘ │
│ │
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Fazit
Der Kontenrahmen KMU ist das Fundament deiner Buchhaltung. Mit dem richtigen Verständnis wird die doppelte Buchhaltung plötzlich logisch und übersichtlich.
Die wichtigsten Punkte:
- ✅ Kontenrahmen = Vorlage mit allen Konten
- ✅ Kontenplan = Deine individuelle Auswahl
- ✅ 9 Klassen: 1-2 Bilanz, 3-8 Erfolg, 9 Abschluss
- ✅ Starte minimal und erweitere bei Bedarf
Mit Pfeffersack hast du einen vorkonfigurierten Kontenplan für Schweizer KMU - du kannst sofort loslegen, ohne dich um die Kontenstruktur kümmern zu müssen.
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