Abschreibungen berechnen Schweiz – Methoden, Sätze & Beispiele 2026

Abschreibungen berechnen Schweiz – Methoden, Sätze & Beispiele 2026

Lernen Sie, wie Sie Abschreibungen in der Schweiz korrekt berechnen: Lineare und degressive Methode, offizielle Abschreibungssätze und praktische Beispiele mit CHF-Beträgen.

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Wenn Sie ein Geschäftsfahrzeug, einen Computer oder Büromöbel kaufen, können Sie diese Kosten nicht einfach sofort vollständig als Aufwand verbuchen. Stattdessen müssen Sie den Wert über die Nutzungsdauer verteilen – das nennt man Abschreibung. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie Abschreibungen in der Schweiz korrekt berechnen.

Was sind Abschreibungen?

Abschreibungen (auch Amortisationen genannt) bilden den Wertverlust von Anlagegütern in der Buchhaltung ab. Wenn Sie für CHF 30'000 ein Geschäftsfahrzeug kaufen, hat es nach 5 Jahren nicht mehr denselben Wert. Die Abschreibung verteilt diesen Wertverlust gleichmässig über die Nutzungsjahre.

Warum sind Abschreibungen wichtig?

  • Steuerlich: Abschreibungen reduzieren den steuerbaren Gewinn
  • Bilanz: Sie zeigen den realen Wert Ihrer Anlagen
  • Planung: Sie erkennen, wann Ersatzinvestitionen nötig werden
  • Gesetzlich: Das OR schreibt vor, dass Anlagen zum tatsächlichen Wert bilanziert werden müssen

Die zwei Abschreibungsmethoden

In der Schweiz sind zwei Methoden verbreitet:

1. Lineare Abschreibung (gleichbleibende Beträge)

Bei der linearen Methode schreiben Sie jedes Jahr den gleichen Betrag ab. Die Berechnung ist einfach:

Jährliche Abschreibung = Anschaffungskosten / Nutzungsdauer

Beispiel: Büromöbel für CHF 10'000, Nutzungsdauer 8 Jahre

Jahr Abschreibung Restbuchwert
1 CHF 1'250 CHF 8'750
2 CHF 1'250 CHF 7'500
3 CHF 1'250 CHF 6'250
4 CHF 1'250 CHF 5'000
5 CHF 1'250 CHF 3'750
6 CHF 1'250 CHF 2'500
7 CHF 1'250 CHF 1'250
8 CHF 1'250 CHF 0

Vorteil: Einfach zu berechnen, gleichmässige Belastung der Erfolgsrechnung.

2. Degressive Abschreibung (abnehmende Beträge)

Bei der degressiven Methode wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz vom Restbuchwert abgeschrieben. Dadurch sind die Abschreibungen am Anfang höher und nehmen jährlich ab.

Jährliche Abschreibung = Restbuchwert × Abschreibungssatz

Beispiel: Geschäftsfahrzeug für CHF 40'000, Abschreibungssatz 40%

Jahr Restbuchwert Anfang Abschreibung (40%) Restbuchwert Ende
1 CHF 40'000 CHF 16'000 CHF 24'000
2 CHF 24'000 CHF 9'600 CHF 14'400
3 CHF 14'400 CHF 5'760 CHF 8'640
4 CHF 8'640 CHF 3'456 CHF 5'184
5 CHF 5'184 CHF 2'074 CHF 3'110

Vorteil: Höhere Abschreibungen in den ersten Jahren, was steuerlich vorteilhaft sein kann. Bildet den tatsächlichen Wertverlust bei vielen Gütern realistischer ab (z.B. Fahrzeuge verlieren am Anfang am meisten Wert).

Wichtig: Die degressive Methode führt mathematisch nie auf CHF 0. In der Praxis wird der Restbuchwert irgendwann als Schlussbuchung vollständig ausgebucht.

Offizielle Abschreibungssätze der ESTV

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat im Merkblatt A 1995 die steuerlich maximal zulässigen Abschreibungssätze festgelegt. Diese gelten als Richtlinie für die kantonalen Steuerbehörden.

Übersicht der wichtigsten Abschreibungssätze

Anlagegut Linear (vom Anschaffungswert) Degressiv (vom Buchwert)
Geschäftsfahrzeuge 20% 40%
Büromobiliar 12.5% 25%
Computer & IT-Geräte 20% 40%
Software 20% 40%
Maschinen & Geräte 12.5% 25%
Büromaschinen 20% 40%
Werkzeuge 20% 40%
Geschäftsliegenschaften 2–4% 4–8%
Wohnliegenschaften 1.5–2% 3–4%
Patente & Lizenzen 20% 40%
Goodwill 20% 40%

Wichtige Regeln zu den Abschreibungssätzen

  • Die Sätze sind Maximalsätze – Sie dürfen weniger, aber nicht mehr abschreiben
  • Bei Kauf im Laufe des Jahres wird die Abschreibung pro rata temporis berechnet (anteilig)
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter unter ca. CHF 1'000 können oft sofort vollständig abgeschrieben werden (Sofortabschreibung)
  • Die Kantone können leicht abweichende Sätze haben – prüfen Sie die kantonalen Richtlinien

Praktische Beispiele

Beispiel 1: Laptop für Ihr Büro

Sie kaufen am 1. März einen Laptop für CHF 2'400 (inkl. MWST, nach Vorsteuerabzug CHF 2'227).

Degressive Abschreibung (40%):

Jahr Berechnung Abschreibung Buchwert
2026 (10 Monate) 2'227 × 40% × 10/12 CHF 742 CHF 1'485
2027 1'485 × 40% CHF 594 CHF 891
2028 891 × 40% CHF 356 CHF 535
2029 Sofortabschreibung CHF 535 CHF 0

Buchungssatz: Abschreibungen auf EDV / EDV-Anlagen CHF 742

Beispiel 2: Geschäftsfahrzeug

Sie kaufen am 1. Januar ein Geschäftsfahrzeug für CHF 35'000.

Lineare Abschreibung (20%):

Jährliche Abschreibung: CHF 35'000 × 20% = CHF 7'000 Nutzungsdauer: 5 Jahre

Buchungssatz: Abschreibungen auf Fahrzeugen / Fahrzeuge CHF 7'000

Beachten Sie: Falls Sie das Fahrzeug auch privat nutzen, müssen Sie den Privatanteil berücksichtigen.

Beispiel 3: Büroeinrichtung

Sie richten Ihr neues Büro ein und kaufen Möbel für CHF 8'000.

Degressive Abschreibung (25%):

Jahr Berechnung Abschreibung Buchwert
2026 8'000 × 25% CHF 2'000 CHF 6'000
2027 6'000 × 25% CHF 1'500 CHF 4'500
2028 4'500 × 25% CHF 1'125 CHF 3'375
2029 3'375 × 25% CHF 844 CHF 2'531

So verbuchen Sie Abschreibungen korrekt

Direkte Abschreibung

Der häufigste Weg in der Schweiz: Die Abschreibung wird direkt vom Anlagekonto abgezogen.

Buchungssatz:

Soll: Abschreibungen (Aufwandkonto, Klasse 6)
Haben: Anlagekonto (Aktivkonto, Klasse 1)

Im Kontenrahmen KMU:

  • Konto 6800 – Abschreibungen auf Sachanlagen
  • Konto 6801 – Abschreibungen auf immaterielle Anlagen

Indirekte Abschreibung

Der Anlagewert bleibt unverändert. Stattdessen wird ein separates Wertberichtigungskonto geführt (Minusaktivkonto).

Buchungssatz:

Soll: Abschreibungen (Aufwandkonto, Klasse 6)
Haben: Wertberichtigung Anlagen (Minusaktivkonto)

Vorteil der indirekten Methode: Sie sehen jederzeit den Anschaffungswert und die kumulierten Abschreibungen.

Mehr zu Buchungssätzen finden Sie in unserem Artikel zur doppelten Buchhaltung.

Steuerliche Aspekte

Übermässige Abschreibungen

Wenn Sie mehr abschreiben als die ESTV-Maximalsätze erlauben, kann die Steuerbehörde die übermässigen Abschreibungen als stille Reserven qualifizieren. Bei einer späteren Auflösung werden diese Reserven zum steuerbaren Gewinn hinzugerechnet.

Nachholabschreibungen

Haben Sie in früheren Jahren zu wenig abgeschrieben, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Nachholabschreibungen vornehmen. Die Regeln unterscheiden sich von Kanton zu Kanton – fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Treuhänder oder das kantonale Steueramt.

Sofortabschreibung bei geringwertigen Gütern

Güter mit einem Anschaffungswert unter ca. CHF 1'000 können in der Praxis oft im Anschaffungsjahr vollständig abgeschrieben werden. Dies vereinfacht die Buchhaltung erheblich.

Abschreibungen mit Software automatisieren

Die manuelle Berechnung und Verbuchung von Abschreibungen ist fehleranfällig und zeitaufwändig. Mit einer Buchhaltungssoftware wie Pfeffersack behalten Sie den Überblick über Ihre Anlagen und die korrekten Abschreibungsbeträge werden automatisch berechnet.

Häufige Fehler vermeiden

  1. Pro-rata-Abschreibung vergessen: Bei Kauf im Laufenden Jahr nur anteilig abschreiben
  2. Falsche Methode wählen: Linear und degressiv nicht mischen (pro Anlage eine Methode durchziehen)
  3. MWST nicht korrekt berücksichtigen: Die Abschreibungsbasis ist der Betrag ohne Vorsteuer (bei MWST-pflichtigen Unternehmen)
  4. Abschreibungen nicht jährlich buchen: Auch in Verlustjahren sollten Sie abschreiben, um die Bilanz korrekt zu halten
  5. Privatanteile ignorieren: Bei gemischt genutzten Gütern (z.B. Fahrzeug) muss der Privatanteil korrigiert werden

Fazit

Abschreibungen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder korrekten Buchhaltung in der Schweiz. Die wichtigsten Punkte:

  • Wählen Sie eine Methode (linear oder degressiv) und bleiben Sie dabei
  • Halten Sie sich an die Maximalsätze der ESTV (Merkblatt A 1995)
  • Berechnen Sie bei unterjährigen Anschaffungen die Pro-rata-Abschreibung
  • Verbuchen Sie Abschreibungen jährlich und konsequent

Mit der richtigen Software und einem klaren System ist die Berechnung und Verbuchung von Abschreibungen kein Hexenwerk. Pfeffersack unterstützt Sie dabei mit übersichtlichen Auswertungen und korrekten Buchungssätzen nach Schweizer Standard.

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