Wenn Sie ein Geschäftsfahrzeug, einen Computer oder Büromöbel kaufen, können Sie diese Kosten nicht einfach sofort vollständig als Aufwand verbuchen. Stattdessen müssen Sie den Wert über die Nutzungsdauer verteilen – das nennt man Abschreibung. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie Abschreibungen in der Schweiz korrekt berechnen.
Was sind Abschreibungen?
Abschreibungen (auch Amortisationen genannt) bilden den Wertverlust von Anlagegütern in der Buchhaltung ab. Wenn Sie für CHF 30'000 ein Geschäftsfahrzeug kaufen, hat es nach 5 Jahren nicht mehr denselben Wert. Die Abschreibung verteilt diesen Wertverlust gleichmässig über die Nutzungsjahre.
Warum sind Abschreibungen wichtig?
- Steuerlich: Abschreibungen reduzieren den steuerbaren Gewinn
- Bilanz: Sie zeigen den realen Wert Ihrer Anlagen
- Planung: Sie erkennen, wann Ersatzinvestitionen nötig werden
- Gesetzlich: Das OR schreibt vor, dass Anlagen zum tatsächlichen Wert bilanziert werden müssen
Die zwei Abschreibungsmethoden
In der Schweiz sind zwei Methoden verbreitet:
1. Lineare Abschreibung (gleichbleibende Beträge)
Bei der linearen Methode schreiben Sie jedes Jahr den gleichen Betrag ab. Die Berechnung ist einfach:
Jährliche Abschreibung = Anschaffungskosten / Nutzungsdauer
Beispiel: Büromöbel für CHF 10'000, Nutzungsdauer 8 Jahre
| Jahr | Abschreibung | Restbuchwert |
|---|---|---|
| 1 | CHF 1'250 | CHF 8'750 |
| 2 | CHF 1'250 | CHF 7'500 |
| 3 | CHF 1'250 | CHF 6'250 |
| 4 | CHF 1'250 | CHF 5'000 |
| 5 | CHF 1'250 | CHF 3'750 |
| 6 | CHF 1'250 | CHF 2'500 |
| 7 | CHF 1'250 | CHF 1'250 |
| 8 | CHF 1'250 | CHF 0 |
Vorteil: Einfach zu berechnen, gleichmässige Belastung der Erfolgsrechnung.
2. Degressive Abschreibung (abnehmende Beträge)
Bei der degressiven Methode wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz vom Restbuchwert abgeschrieben. Dadurch sind die Abschreibungen am Anfang höher und nehmen jährlich ab.
Jährliche Abschreibung = Restbuchwert × Abschreibungssatz
Beispiel: Geschäftsfahrzeug für CHF 40'000, Abschreibungssatz 40%
| Jahr | Restbuchwert Anfang | Abschreibung (40%) | Restbuchwert Ende |
|---|---|---|---|
| 1 | CHF 40'000 | CHF 16'000 | CHF 24'000 |
| 2 | CHF 24'000 | CHF 9'600 | CHF 14'400 |
| 3 | CHF 14'400 | CHF 5'760 | CHF 8'640 |
| 4 | CHF 8'640 | CHF 3'456 | CHF 5'184 |
| 5 | CHF 5'184 | CHF 2'074 | CHF 3'110 |
Vorteil: Höhere Abschreibungen in den ersten Jahren, was steuerlich vorteilhaft sein kann. Bildet den tatsächlichen Wertverlust bei vielen Gütern realistischer ab (z.B. Fahrzeuge verlieren am Anfang am meisten Wert).
Wichtig: Die degressive Methode führt mathematisch nie auf CHF 0. In der Praxis wird der Restbuchwert irgendwann als Schlussbuchung vollständig ausgebucht.
Offizielle Abschreibungssätze der ESTV
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat im Merkblatt A 1995 die steuerlich maximal zulässigen Abschreibungssätze festgelegt. Diese gelten als Richtlinie für die kantonalen Steuerbehörden.
Übersicht der wichtigsten Abschreibungssätze
| Anlagegut | Linear (vom Anschaffungswert) | Degressiv (vom Buchwert) |
|---|---|---|
| Geschäftsfahrzeuge | 20% | 40% |
| Büromobiliar | 12.5% | 25% |
| Computer & IT-Geräte | 20% | 40% |
| Software | 20% | 40% |
| Maschinen & Geräte | 12.5% | 25% |
| Büromaschinen | 20% | 40% |
| Werkzeuge | 20% | 40% |
| Geschäftsliegenschaften | 2–4% | 4–8% |
| Wohnliegenschaften | 1.5–2% | 3–4% |
| Patente & Lizenzen | 20% | 40% |
| Goodwill | 20% | 40% |
Wichtige Regeln zu den Abschreibungssätzen
- Die Sätze sind Maximalsätze – Sie dürfen weniger, aber nicht mehr abschreiben
- Bei Kauf im Laufe des Jahres wird die Abschreibung pro rata temporis berechnet (anteilig)
- Geringwertige Wirtschaftsgüter unter ca. CHF 1'000 können oft sofort vollständig abgeschrieben werden (Sofortabschreibung)
- Die Kantone können leicht abweichende Sätze haben – prüfen Sie die kantonalen Richtlinien
Praktische Beispiele
Beispiel 1: Laptop für Ihr Büro
Sie kaufen am 1. März einen Laptop für CHF 2'400 (inkl. MWST, nach Vorsteuerabzug CHF 2'227).
Degressive Abschreibung (40%):
| Jahr | Berechnung | Abschreibung | Buchwert |
|---|---|---|---|
| 2026 (10 Monate) | 2'227 × 40% × 10/12 | CHF 742 | CHF 1'485 |
| 2027 | 1'485 × 40% | CHF 594 | CHF 891 |
| 2028 | 891 × 40% | CHF 356 | CHF 535 |
| 2029 | Sofortabschreibung | CHF 535 | CHF 0 |
Buchungssatz: Abschreibungen auf EDV / EDV-Anlagen CHF 742
Beispiel 2: Geschäftsfahrzeug
Sie kaufen am 1. Januar ein Geschäftsfahrzeug für CHF 35'000.
Lineare Abschreibung (20%):
Jährliche Abschreibung: CHF 35'000 × 20% = CHF 7'000 Nutzungsdauer: 5 Jahre
Buchungssatz: Abschreibungen auf Fahrzeugen / Fahrzeuge CHF 7'000
Beachten Sie: Falls Sie das Fahrzeug auch privat nutzen, müssen Sie den Privatanteil berücksichtigen.
Beispiel 3: Büroeinrichtung
Sie richten Ihr neues Büro ein und kaufen Möbel für CHF 8'000.
Degressive Abschreibung (25%):
| Jahr | Berechnung | Abschreibung | Buchwert |
|---|---|---|---|
| 2026 | 8'000 × 25% | CHF 2'000 | CHF 6'000 |
| 2027 | 6'000 × 25% | CHF 1'500 | CHF 4'500 |
| 2028 | 4'500 × 25% | CHF 1'125 | CHF 3'375 |
| 2029 | 3'375 × 25% | CHF 844 | CHF 2'531 |
So verbuchen Sie Abschreibungen korrekt
Direkte Abschreibung
Der häufigste Weg in der Schweiz: Die Abschreibung wird direkt vom Anlagekonto abgezogen.
Buchungssatz:
Soll: Abschreibungen (Aufwandkonto, Klasse 6)
Haben: Anlagekonto (Aktivkonto, Klasse 1)
Im Kontenrahmen KMU:
- Konto 6800 – Abschreibungen auf Sachanlagen
- Konto 6801 – Abschreibungen auf immaterielle Anlagen
Indirekte Abschreibung
Der Anlagewert bleibt unverändert. Stattdessen wird ein separates Wertberichtigungskonto geführt (Minusaktivkonto).
Buchungssatz:
Soll: Abschreibungen (Aufwandkonto, Klasse 6)
Haben: Wertberichtigung Anlagen (Minusaktivkonto)
Vorteil der indirekten Methode: Sie sehen jederzeit den Anschaffungswert und die kumulierten Abschreibungen.
Mehr zu Buchungssätzen finden Sie in unserem Artikel zur doppelten Buchhaltung.
Steuerliche Aspekte
Übermässige Abschreibungen
Wenn Sie mehr abschreiben als die ESTV-Maximalsätze erlauben, kann die Steuerbehörde die übermässigen Abschreibungen als stille Reserven qualifizieren. Bei einer späteren Auflösung werden diese Reserven zum steuerbaren Gewinn hinzugerechnet.
Nachholabschreibungen
Haben Sie in früheren Jahren zu wenig abgeschrieben, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Nachholabschreibungen vornehmen. Die Regeln unterscheiden sich von Kanton zu Kanton – fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Treuhänder oder das kantonale Steueramt.
Sofortabschreibung bei geringwertigen Gütern
Güter mit einem Anschaffungswert unter ca. CHF 1'000 können in der Praxis oft im Anschaffungsjahr vollständig abgeschrieben werden. Dies vereinfacht die Buchhaltung erheblich.
Abschreibungen mit Software automatisieren
Die manuelle Berechnung und Verbuchung von Abschreibungen ist fehleranfällig und zeitaufwändig. Mit einer Buchhaltungssoftware wie Pfeffersack behalten Sie den Überblick über Ihre Anlagen und die korrekten Abschreibungsbeträge werden automatisch berechnet.
Häufige Fehler vermeiden
- Pro-rata-Abschreibung vergessen: Bei Kauf im Laufenden Jahr nur anteilig abschreiben
- Falsche Methode wählen: Linear und degressiv nicht mischen (pro Anlage eine Methode durchziehen)
- MWST nicht korrekt berücksichtigen: Die Abschreibungsbasis ist der Betrag ohne Vorsteuer (bei MWST-pflichtigen Unternehmen)
- Abschreibungen nicht jährlich buchen: Auch in Verlustjahren sollten Sie abschreiben, um die Bilanz korrekt zu halten
- Privatanteile ignorieren: Bei gemischt genutzten Gütern (z.B. Fahrzeug) muss der Privatanteil korrigiert werden
Fazit
Abschreibungen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder korrekten Buchhaltung in der Schweiz. Die wichtigsten Punkte:
- Wählen Sie eine Methode (linear oder degressiv) und bleiben Sie dabei
- Halten Sie sich an die Maximalsätze der ESTV (Merkblatt A 1995)
- Berechnen Sie bei unterjährigen Anschaffungen die Pro-rata-Abschreibung
- Verbuchen Sie Abschreibungen jährlich und konsequent
Mit der richtigen Software und einem klaren System ist die Berechnung und Verbuchung von Abschreibungen kein Hexenwerk. Pfeffersack unterstützt Sie dabei mit übersichtlichen Auswertungen und korrekten Buchungssätzen nach Schweizer Standard.
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