Belege automatisch erkennen und verbuchen: So funktioniert OCR in der Buchhaltung

OCR-Technologie liest Rechnungen, Quittungen und Bankbelege automatisch ein. Erfahre, wie du als Selbständiger in der Schweiz Stunden sparst und Fehler vermeidest.

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OCRAutomatisierungBuchhaltungBelegeKI

Du kennst das: Ein Stapel Rechnungen liegt auf dem Schreibtisch, der Monat ist fast vorbei, und du musst noch alles in die Buchhaltung eintippen. Lieferant, Betrag, Datum, MWST-Satz – für jeden einzelnen Beleg. Das kostet dich als Selbständiger mehrere Stunden pro Monat.

Die gute Nachricht: OCR-Technologie (Optical Character Recognition) kann das heute automatisch erledigen. Beleg fotografieren, hochladen, fertig. In diesem Artikel erfährst du, wie das funktioniert, worauf du achten musst und wie viel Zeit du damit wirklich sparst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist OCR und wie funktioniert es?
  2. Welche Belege kann OCR erkennen?
  3. So funktioniert automatische Belegverarbeitung
  4. Bankbelege automatisch importieren
  5. Schweizer Besonderheiten: MWST, CHF und QR-Rechnung
  6. Wie viel Zeit sparst du wirklich?
  7. Worauf du bei OCR-Software achten solltest
  8. Häufige Fragen

Was ist OCR und wie funktioniert es? {#was-ist-ocr}

OCR steht für Optical Character Recognition – optische Zeichenerkennung. Die Technologie wandelt Text aus Bildern und PDFs in maschinenlesbaren Text um. Moderne OCR-Systeme gehen aber weit über einfache Texterkennung hinaus.

Klassische OCR vs. intelligente Dokumentenverarbeitung

Eigenschaft Klassische OCR Intelligente OCR (mit KI)
Texterkennung Ja Ja
Beträge extrahieren Teilweise Automatisch
MWST-Satz erkennen Nein Ja
Lieferant identifizieren Nein Ja
Dokumenttyp bestimmen Nein Ja
Buchungsvorschlag Nein Ja
Lernfähig Nein Ja

Einfach gesagt: Klassische OCR liest Text. Intelligente OCR versteht den Beleg und weiss, was damit zu tun ist.

Wie die Erkennung technisch funktioniert

Moderne Belegerfassung arbeitet in mehreren Schritten:

  1. Texterkennung: Das System liest den gesamten Text aus dem Dokument
  2. Dokumentklassifikation: Ist es eine Rechnung, eine Quittung oder ein Kontoauszug?
  3. Datenextraktion: Betrag, Datum, Lieferant, Rechnungsnummer und IBAN werden extrahiert
  4. MWST-Berechnung: Der MWST-Satz wird automatisch erkannt und geprüft
  5. Lieferanten-Matching: Das System gleicht den Lieferanten mit bestehenden Kontakten ab
  6. Buchungsvorschlag: Basierend auf allen Daten wird eine Buchung vorgeschlagen

Das Ergebnis: Aus einem Foto wird in wenigen Sekunden ein vollständiger Buchungsvorschlag – mit Lieferant, Betrag, MWST und Kategorie.


Welche Belege kann OCR erkennen? {#welche-belege}

Nicht jeder Beleg ist gleich. Hier eine Übersicht, was moderne OCR-Systeme verarbeiten können:

Dokumenttypen

Dokumenttyp Erkennung Typische Genauigkeit
PDF-Rechnungen (digital erstellt) Sehr gut 95-99%
Gescannte Rechnungen Gut 90-95%
Kassenzettel (fotografiert) Gut 85-95%
Bankbelege (CAMT-Format) Sehr gut 99%+
Quittungen Gut 85-90%
Spesenabrechnungen Gut 90-95%

Unterstützte Dateiformate

  • PDF – das gängigste Format für Rechnungen (bis 50 MB, mehrseitig)
  • JPG/PNG – für fotografierte Belege (bis 10 MB)
  • WebP/TIFF – zusätzliche Bildformate
  • CAMT XML – der Schweizer Bankstandard für Kontoauszüge

Was wird aus jedem Beleg extrahiert?

Ein gutes OCR-System erkennt aus einer typischen Rechnung:

  • Lieferant/Firma: Name und Rechtsform (AG, GmbH, Einzelfirma)
  • Rechnungsbetrag: Brutto, Netto und MWST separat
  • Datum: Rechnungsdatum in verschiedenen Formaten
  • Rechnungsnummer: Für die Zuordnung
  • IBAN: Für die Zahlungsabwicklung
  • MWST-Satz: 8.1%, 2.6% oder 3.8%
  • Währung: CHF, EUR, USD

So funktioniert automatische Belegverarbeitung {#so-funktioniert-es}

Schauen wir uns den konkreten Ablauf an – vom Beleg bis zur fertigen Buchung.

Schritt 1: Beleg hochladen

Du hast drei Möglichkeiten:

  • Foto mit dem Smartphone: Rechnung abfotografieren und hochladen
  • PDF-Upload: Digitale Rechnungen direkt per Drag-and-Drop hochladen
  • E-Mail-Weiterleitung: Rechnungen an eine bestimmte E-Mail-Adresse weiterleiten

Tipp: Digitale PDFs liefern die besten Ergebnisse. Wenn du Belege fotografierst, achte auf gute Beleuchtung und scharfe Aufnahmen.

Schritt 2: Automatische Erkennung

Innerhalb von 2-6 Sekunden passiert Folgendes:

  1. Das OCR-System liest den Text
  2. KI klassifiziert das Dokument (Eingangsrechnung, Quittung, etc.)
  3. Alle relevanten Daten werden extrahiert
  4. Der Lieferant wird mit deiner Datenbank abgeglichen
  5. Ein Buchungsvorschlag wird erstellt

Schritt 3: Prüfen und bestätigen

Je nach Konfidenz des Systems gibt es zwei Szenarien:

Hohe Konfidenz (85%+): Der Buchungsvorschlag ist vollständig und korrekt. Du prüfst kurz und bestätigst mit einem Klick.

Niedrigere Konfidenz: Das System markiert unsichere Stellen. Du korrigierst, was nötig ist. Das passiert typischerweise bei:

  • Neuen Lieferanten (die das System noch nicht kennt)
  • Unleserlichen Belegen
  • Ungewöhnlich hohen Beträgen (über CHF 10'000)
  • Fehlenden Informationen auf dem Beleg

Schritt 4: Buchung erstellen

Nach deiner Bestätigung wird die Buchung automatisch erstellt – mit:

  • Korrektem Buchungskonto
  • Richtigem MWST-Satz und -Betrag
  • Zugeordnetem Lieferanten
  • Verlinktem Originalbeleg

Kein manuelles Abtippen mehr.


Bankbelege automatisch importieren {#bankimport}

Neben einzelnen Rechnungen kannst du auch komplette Kontoauszüge automatisch verarbeiten.

Der Schweizer Standard: CAMT

Schweizer Banken stellen Kontoauszüge im ISO 20022 CAMT-Format bereit (CAMT.053 und CAMT.054). Das ist ein XML-Standard, den Buchhaltungssoftware direkt lesen kann.

Unterstützte Banken

Bank Format Automatisch verarbeitet
Raiffeisen CAMT XML Ja
UBS CAMT XML Ja
PostFinance CAMT XML Ja
ZKB CAMT XML Ja
Neon CSV Ja
Weitere Banken CAMT XML / CSV Ja

Was beim Bankimport passiert

  1. Datei hochladen: CAMT-XML oder CSV aus deinem E-Banking exportieren
  2. Automatisches Parsing: Jede Transaktion wird einzeln ausgelesen
  3. Matching: Transaktionen werden bestehenden Lieferanten und offenen Rechnungen zugeordnet
  4. Buchungsvorschläge: Für jede Transaktion wird ein Buchungsvorschlag generiert
  5. Duplikat-Erkennung: Bereits importierte Transaktionen werden automatisch erkannt

Das Ergebnis: Statt jede Bankbewegung manuell zu verbuchen, importierst du den Kontoauszug und bestätigst die Vorschläge. Ein Monat Bankbewegungen in 10 Minuten statt 2 Stunden.

So exportierst du CAMT-Dateien

Raiffeisen: E-Banking → Kontoauszüge → Format "camt.053" wählen → Herunterladen

UBS: E-Banking → Dokumente → Kontoauszüge → ISO 20022 XML → Download

PostFinance: E-Finance → Zahlungsverkehr → Kontoauszüge → camt.053 → Exportieren

ZKB: eBanking → Kontoübersicht → Kontoauszug → XML-Format → Download


Schweizer Besonderheiten: MWST, CHF und QR-Rechnung {#schweizer-besonderheiten}

OCR-Software für die Schweiz muss einige Besonderheiten beherrschen.

Automatische MWST-Erkennung

Die Schweiz hat drei MWST-Sätze, die sich von den Nachbarländern unterscheiden:

MWST-Satz Bezeichnung Anwendung
8.1% Normalsatz Die meisten Waren und Dienstleistungen
2.6% Reduzierter Satz Lebensmittel, Bücher, Zeitungen
3.8% Sondersatz Beherbergung (Hotels)
0.0% Befreit Gesundheit, Bildung, Versicherungen

Ein gutes OCR-System erkennt den MWST-Satz nicht nur aus dem Beleg, sondern prüft ihn auch. Wenn der berechnete Satz nicht zu den Schweizer Standardsätzen passt, wirst du darauf hingewiesen.

Mehr zur MWST findest du in unserem Artikel MWST abrechnen Schweiz: Effektive Methode vs. Saldosteuersatz.

Schweizer Zahlenformate

In der Schweiz schreiben wir Beträge anders als in Deutschland:

  • Schweiz: CHF 1'234.50 (Apostroph als Tausendertrennzeichen)
  • Deutschland: EUR 1.234,50 (Punkt als Tausendertrennzeichen)

Die OCR muss beide Formate korrekt interpretieren – besonders bei Rechnungen aus dem Ausland.

Schweizer Firmenbezeichnungen

Das System erkennt Schweizer Rechtsformen wie AG, GmbH, SA, Sàrl, Einzelfirma und ordnet sie korrekt zu. Das ist wichtig für das automatische Lieferanten-Matching.


Wie viel Zeit sparst du wirklich? {#zeitsparnis}

Rechnen wir es durch:

Zeitaufwand ohne OCR

Tätigkeit Zeit pro Beleg Bei 30 Belegen/Monat
Beleg öffnen/suchen 1 Min. 30 Min.
Daten abtippen (Betrag, Datum, etc.) 3 Min. 90 Min.
MWST berechnen und zuordnen 1 Min. 30 Min.
Buchungskonto wählen 1 Min. 30 Min.
Total 6 Min. 180 Min. (3 Std.)

Zeitaufwand mit OCR

Tätigkeit Zeit pro Beleg Bei 30 Belegen/Monat
Beleg hochladen 0.5 Min. 15 Min.
Vorschlag prüfen und bestätigen 0.5 Min. 15 Min.
Korrekturen (bei ~20% der Belege) 1 Min. 6 Min.
Total ~1 Min. ~36 Min.

Ersparnis

Kennzahl Wert
Zeitersparnis pro Monat ~2.5 Stunden
Zeitersparnis pro Jahr ~30 Stunden
Reduktion Tippfehler ~90% weniger
MWST-Fehler Praktisch eliminiert

30 Stunden pro Jahr – das sind fast 4 volle Arbeitstage, die du für dein eigentliches Geschäft nutzen kannst. Wenn du deinen Stundensatz als Freelancer mit CHF 120 ansetzt, sind das CHF 3'600 an eingesparter Zeit.


Worauf du bei OCR-Software achten solltest {#worauf-achten}

Nicht jede OCR-Lösung ist gleich. Hier die wichtigsten Kriterien:

1. Schweizer MWST-Sätze

Die Software muss die Schweizer MWST-Sätze (8.1%, 2.6%, 3.8%) kennen und korrekt verarbeiten. Viele internationale Tools kennen nur deutsche oder EU-Sätze – das führt zu Fehlern in deiner MWST-Abrechnung.

2. CHF und Schweizer Formate

Apostroph als Tausendertrennzeichen (CHF 1'234.50), Schweizer Datumsformate (15.03.2026) und Schweizer Adressformate müssen korrekt erkannt werden.

3. Bankimport (CAMT-Standard)

Wenn du auch Kontoauszüge verarbeiten willst, braucht die Software Unterstützung für den Schweizer CAMT-Standard. Das spart am meisten Zeit.

4. Konfidenz-Anzeige

Gute Software zeigt dir, wie sicher sie sich bei der Erkennung ist. Bei hoher Konfidenz bestätigst du mit einem Klick. Bei niedriger Konfidenz prüfst du genauer. So vermeidest du Fehler, ohne jeden Beleg manuell kontrollieren zu müssen.

5. Datenschutz und Serverstandort

Deine Geschäftsbelege enthalten sensible Daten. Achte darauf, dass die Daten in der Schweiz oder zumindest in Europa verarbeitet werden. Seit dem neuen Datenschutzgesetz (nDSG) gelten strengere Regeln.

6. Lernfähigkeit

Die Software sollte aus deinen Korrekturen lernen. Wenn du einem Beleg von Swisscom einmal das richtige Konto zuweist, sollte der nächste Swisscom-Beleg automatisch korrekt zugeordnet werden.


Automatische Kategorisierung: Die Buchhaltung denkt mit

Ein besonders nützliches Feature von KI-gestützter Belegverarbeitung ist die automatische Kategorisierung. Basierend auf dem erkannten Lieferanten und Schlüsselwörtern auf dem Beleg ordnet das System die Ausgabe automatisch der richtigen Kategorie zu:

Erkannter Lieferant/Keyword Vorgeschlagene Kategorie
Swisscom, Sunrise, Salt Telekommunikation
SBB, Zürich Versicherung Reisekosten / Versicherung
Coop, Migros Verpflegung / Büromaterial
Adobe, Microsoft, Google Software & Lizenzen
Mobiliar, AXA, Helvetia Versicherungen
Wework, Impact Hub Miete / Coworking

Diese Kategorisierung wird mit jeder Korrektur besser. Nach einigen Monaten kennt das System deine wiederkehrenden Ausgaben und ordnet sie fast immer korrekt zu.


Häufige Fragen {#haeufige-fragen}

Muss ich trotzdem alle Belege aufbewahren?

Ja. Die Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren gilt weiterhin. Der Vorteil von OCR: Die Belege werden digital direkt der Buchung zugeordnet und automatisch archiviert. Du musst nicht mehr manuell Ordner pflegen.

Funktioniert OCR auch bei handschriftlichen Belegen?

Bedingt. Saubere Handschrift wird oft erkannt, aber die Genauigkeit ist deutlich niedriger als bei gedruckten Belegen. Für handschriftliche Quittungen empfiehlt es sich, die Daten kurz zu prüfen.

Was passiert, wenn die OCR einen Fehler macht?

Du siehst vor der Buchung immer den Vorschlag und kannst ihn korrigieren. Gute Software markiert unsichere Erkennungen automatisch. Kritische Fehler (z.B. falscher MWST-Satz) fallen so auf, bevor sie in der Buchhaltung landen.

Ist OCR rechtlich anerkannt?

Ja. In der Schweiz sind digital aufbewahrte Belege gleichwertig mit Papierbelegen. Die OCR-Erkennung ist ein Verarbeitungsschritt – der digitale Beleg selbst bleibt als Original erhalten.

Brauche ich trotzdem einen Treuhänder?

Für die laufende Buchhaltung mit OCR-Unterstützung brauchst du in vielen Fällen keinen Treuhänder mehr. Für den Jahresabschluss, komplexe Steuerfragen oder die MWST-Abrechnung kann ein Treuhänder aber weiterhin sinnvoll sein. Mehr dazu in unserem Vergleich Buchhaltung selber machen oder Treuhänder.

Wie sicher sind meine Daten?

Das hängt vom Anbieter ab. Achte auf Schweizer Serverstandort, verschlüsselte Übertragung und datenschutzkonforme Verarbeitung. Sensible Daten wie IBAN-Nummern sollten nicht in Logs oder externen Systemen gespeichert werden.


Fazit: OCR spart Zeit, reduziert Fehler und macht Buchhaltung einfacher

Automatische Belegerfassung mit OCR ist keine Zukunftsmusik mehr – es ist der Standard für effiziente Buchhaltung in der Schweiz. Die Technologie ist ausgereift, die Erkennungsraten sind hoch, und die Zeitersparnis ist real.

Wenn du heute noch jeden Beleg manuell abtippst, lässt du buchstäblich 30 Stunden pro Jahr auf dem Tisch liegen. Stunden, die du für dein eigentliches Geschäft nutzen könntest.

Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick:

  • ~80% weniger manueller Aufwand bei der Belegerfassung
  • Weniger Tippfehler und MWST-Fehler
  • Automatischer Bankimport mit dem Schweizer CAMT-Standard
  • Intelligente Kategorisierung die dazulernt
  • Digitale Archivierung inklusive – keine Ordner mehr nötig

Belege automatisch verbuchen mit Pfeffersack

Pfeffersack erkennt deine Belege automatisch per OCR: Lieferant, Betrag, Datum und MWST-Satz – in wenigen Sekunden. Dazu kommt der Bankimport für Schweizer Banken (Raiffeisen, UBS, PostFinance, ZKB und mehr) und eine KI-gestützte Kategorisierung, die mit jeder Buchung besser wird.

Jetzt 7 Tage kostenlos testen – keine Kreditkarte erforderlich.

Alle Funktionen inklusive. CHF 7/Monat nach der Testphase.


Weiterführende Artikel:

Pfeffersackhttps://pfeffersack.ch/blog/ocr-belege-automatisch-verbuchen-schweiz