Privatanteil Geschäftsfahrzeug Schweiz: Komplette Anleitung 2026

Privatanteil Geschäftsfahrzeug Schweiz: Komplette Anleitung 2026

Der Privatanteil am Geschäftsfahrzeug ist ein häufiges Thema bei Steuererklärungen. Erfahre, wie du ihn korrekt berechnest und welche Fehler du vermeiden musst.

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Nutzt du dein Geschäftsfahrzeug auch privat? Dann musst du einen Privatanteil versteuern. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du den Privatanteil korrekt berechnest, welche MWST-Regeln gelten und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.

Geschäftsfahrzeug Privatanteil

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist der Privatanteil?
  2. Aktuelle ESTV-Sätze 2026
  3. Berechnung mit Beispielen
  4. Fahrtenbuch vs. Pauschale
  5. MWST-Behandlung
  6. Unterschiede Einzelfirma vs. GmbH
  7. Elektrofahrzeuge
  8. Häufige Fehler vermeiden
  9. Buchungsbeispiele

Was ist der Privatanteil?

Wenn du ein Geschäftsfahrzeug auch privat nutzt, entsteht ein geldwerter Vorteil. Diesen Vorteil nennt man Privatanteil. Er muss versteuert werden als:

  • Einkommen (Einkommenssteuer)
  • Lohnbestandteil (AHV/IV/EO-pflichtig bei GmbH/AG)
  • Umsatz (MWST-pflichtig)

Warum ist das wichtig?

| Konsequenz | Bei Nichtbeachtung | |------------|-------------------| | Steuernachzahlung | ⚠️ Nachforderung + Verzugszins | | AHV-Korrektur | ⚠️ Nachzahlung Arbeitgeber + Arbeitnehmer | | MWST-Korrektur | ⚠️ Nachzahlung + Verzugszins | | Steuerhinterziehung | ⚠️ Bussen möglich |


Aktuelle ESTV-Sätze 2026

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) legt die Sätze fest:

Pauschale Methode (Standard)

| Kriterium | Wert | |-----------|------| | Monatliche Pauschale | 0.9% des Kaufpreises (exkl. MWST) | | Jährliche Pauschale | 10.8% des Kaufpreises | | Mindestbetrag pro Monat | CHF 150.00 | | Mindestbetrag pro Jahr | CHF 1'800.00 |

Wichtig: Seit 2022 gilt 0.9% (vorher 0.8%) - der Arbeitsweg ist nun integriert.

Voraussetzungen

Die Pauschale gilt nur, wenn:

  • ✅ Das Fahrzeug zu mehr als 50% geschäftlich genutzt wird
  • ✅ Es sich um einen Personenwagen handelt (max. 3.5t, max. 9 Personen)

ESTV Sätze verstehen


Berechnung mit Beispielen

Die Formel

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│                                                                 │
│  Privatanteil pro Monat = Kaufpreis (exkl. MWST) × 0.9%        │
│                                                                 │
│  Privatanteil pro Jahr  = Kaufpreis (exkl. MWST) × 10.8%       │
│                                                                 │
│  Minimum: CHF 150/Monat bzw. CHF 1'800/Jahr                    │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Beispiel 1: Mittelklasse-Fahrzeug

| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 45'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 41'628 | | Privatanteil/Monat (0.9%) | CHF 374.65 | | Privatanteil/Jahr (10.8%) | CHF 4'495.80 |

Beispiel 2: Premium-Fahrzeug

| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 85'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 78'631 | | Privatanteil/Monat (0.9%) | CHF 707.70 | | Privatanteil/Jahr (10.8%) | CHF 8'492.10 |

Beispiel 3: Günstiges Fahrzeug (Minimum greift)

| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 15'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 13'876 | | Berechnet (0.9%) | CHF 124.88 | | Minimum greift | CHF 150.00/Monat |

Bei Leasing

Bei Leasingfahrzeugen gilt der Barkaufpreis (exkl. MWST) laut Leasingvertrag als Bemessungsgrundlage.


Fahrtenbuch vs. Pauschale

Du hast zwei Möglichkeiten, den Privatanteil zu ermitteln:

Option 1: Pauschale Methode (0.9%)

Vorteile:

  • ✅ Einfach und schnell
  • ✅ Kein Aufwand für Dokumentation
  • ✅ Von der ESTV akzeptiert

Nachteile:

  • ❌ Kann teurer sein bei wenig Privatnutzung
  • ❌ Keine Berücksichtigung der tatsächlichen Nutzung

Option 2: Effektive Methode (Fahrtenbuch)

Vorteile:

  • ✅ Kann günstiger sein bei wenig Privatnutzung
  • ✅ Exakte Abbildung der Realität

Nachteile:

  • ❌ Hoher Dokumentationsaufwand
  • ❌ Strenge Anforderungen an das Fahrtenbuch

Anforderungen an das Fahrtenbuch

Ein gültiges Fahrtenbuch muss enthalten:

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ FAHRTENBUCH - PFLICHTANGABEN                                    │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ Für JEDE Fahrt:                                                 │
│                                                                 │
│ □ Datum                                                         │
│ □ Uhrzeit (Start und Ende)                                      │
│ □ Kilometerstand (vor und nach der Fahrt)                       │
│ □ Gefahrene Kilometer                                           │
│ □ Start- und Zielort                                            │
│ □ Fahrtzweck (geschäftlich/privat)                              │
│ □ Bei Geschäftsfahrt: Besuchte Person/Firma                     │
│                                                                 │
│ WICHTIG:                                                        │
│ • Muss manipulationssicher sein                                 │
│ • Excel ist NICHT zulässig!                                     │
│ • Lückenlose Führung erforderlich                               │
│ • Elektronische Fahrtenbücher nur wenn revisionssicher          │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Wann lohnt sich welche Methode?

| Private Nutzung | Empfehlung | |-----------------|------------| | < 20% | Fahrtenbuch kann sich lohnen | | 20-50% | Abwägen, meist Pauschale einfacher | | > 50% | Pauschale (oder Fahrzeug ins Privatvermögen) |

Wichtig: Einmal gewählte Methode beibehalten! Wechsel nur bei Fahrzeugwechsel möglich.

Fahrtenbuch führen


MWST-Behandlung

Bei überwiegend geschäftlicher Nutzung (> 50%)

| Schritt | Behandlung | |---------|------------| | Kauf/Leasing | Voller Vorsteuerabzug möglich | | Unterhalt/Betrieb | Voller Vorsteuerabzug möglich | | Privatanteil | Als Umsatz deklarieren (8.1%) |

Berechnung MWST auf Privatanteil

Der monatliche Privatanteil gilt als inklusive MWST:

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ MWST-BERECHNUNG PRIVATANTEIL                                    │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ Beispiel: Kaufpreis CHF 50'000 (exkl. MWST)                     │
│                                                                 │
│ Privatanteil pro Monat: CHF 50'000 × 0.9% = CHF 450.00         │
│                                                                 │
│ Dieser Betrag versteht sich INKL. MWST                          │
│                                                                 │
│ MWST-Betrag: CHF 450 ÷ 1.081 × 0.081 = CHF 33.72               │
│ Netto-Betrag: CHF 450 ÷ 1.081 = CHF 416.28                     │
│                                                                 │
│ Deklaration: Ziffer 200 der MWST-Abrechnung                     │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Bei weniger als 50% geschäftlicher Nutzung

  • ⚠️ Vorsteuerabzug muss proportional korrigiert werden
  • ⚠️ Effektive Ermittlung mittels Fahrtenbuch erforderlich

Unterschiede Einzelfirma vs. GmbH

Einzelfirma (Selbständigerwerbende)

| Aspekt | Regelung | |--------|----------| | Zuordnung | > 50% geschäftlich = Geschäftsvermögen | | Verbuchung | Als Privatbezug (Konto 2900 Privat) | | Lohnausweis | Nicht relevant | | Sozialabgaben | Keine zusätzlichen |

GmbH / AG

| Aspekt | Regelung | |--------|----------| | Lohnausweis | Ziffer 2.2 deklarieren | | Feld F | Ankreuzen (unentgeltliche Beförderung) | | Sozialabgaben | AHV/IV/EO/ALV-pflichtig! | | Mehrere Fahrzeuge | Ab 2. Fahrzeug: 100% als Privatanteil |

Lohnausweis korrekt ausfüllen

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ LOHNAUSWEIS - GESCHÄFTSFAHRZEUG                                 │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ Ziffer 2.2 - Gehaltsnebenleistungen                             │
│ ────────────────────────────────────                            │
│ "Privatanteil Geschäftsfahrzeug"              CHF 4'500.00      │
│                                                                 │
│ Feld F - Unentgeltliche Beförderung                             │
│ ───────────────────────────────────                             │
│ [X] Ankreuzen wenn Arbeitsweg mit Geschäftsfahrzeug             │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Wichtig: Vergisst du Feld F, kann der Mitarbeiter fälschlicherweise den Fahrtkostenabzug geltend machen!


Elektrofahrzeuge

MWST-Behandlung

Die ESTV macht keinen Unterschied zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen:

  • ✅ Gleiche 0.9% Pauschale
  • ✅ Gleiches Minimum (CHF 150/Monat)
  • ✅ Gleiche Vorsteuerabzugsregeln

Automobilsteuer

Seit 1. Januar 2024 gilt:

  • 4% Importsteuer auch auf Elektrofahrzeuge
  • Die bisherige Steuerbefreiung wurde aufgehoben

Stromkosten

| Situation | Behandlung | |-----------|------------| | Laden am Arbeitsort | Geschäftskosten | | Laden zu Hause (geschäftlich) | Abzugsfähig (mit Nachweis) | | Laden zu Hause (privat) | Nicht abzugsfähig |

Tipp: Führe eine separate Dokumentation der Ladevorgänge!

Elektrofahrzeug


Häufige Fehler vermeiden

❌ Fehler 1: Falsche Bemessungsgrundlage

Problem: Katalogpreis statt effektiver Kaufpreis verwendet.

Lösung: Immer den tatsächlich bezahlten Preis (exkl. MWST) verwenden.

❌ Fehler 2: Feld F im Lohnausweis vergessen

Problem: Mitarbeiter kann unberechtigten Fahrtkostenabzug machen.

Lösung: Bei Arbeitsweg mit Geschäftsfahrzeug immer Feld F ankreuzen.

❌ Fehler 3: Fahrtenbuch in Excel

Problem: Excel ist manipulierbar und wird nicht akzeptiert.

Lösung: Physisches Bordbuch oder manipulationssichere App verwenden.

❌ Fehler 4: MWST auf Privatanteil vergessen

Problem: Privatanteil nicht in MWST-Abrechnung deklariert.

Lösung: Monatlich/quartalsweise in Ziffer 200 deklarieren.

❌ Fehler 5: Mehrere Fahrzeuge falsch behandelt

Problem: Für Zweitfahrzeug normalen Privatanteil berechnet.

Lösung: Ab dem 2. Fahrzeug pro Person: 100% der Kosten als Privatanteil.

❌ Fehler 6: Methodenwechsel während des Jahres

Problem: Von Pauschale auf Fahrtenbuch gewechselt (oder umgekehrt).

Lösung: Methode für das gesamte Jahr beibehalten.

❌ Fehler 7: Keine Dokumentation der 50%-Regel

Problem: Bei Kontrolle kann überwiegende Geschäftsnutzung nicht nachgewiesen werden.

Lösung: Mindestens grobe Aufzeichnungen führen.


Buchungsbeispiele

Beispiel 1: GmbH - Monatlicher Privatanteil

Ausgangslage: Kaufpreis CHF 50'000 (exkl. MWST), Privatanteil CHF 450/Monat

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ BUCHUNG GmbH - Privatanteil Geschäftsfahrzeug                   │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ Soll:  5000 Lohnaufwand (Naturallohn)         CHF    450.00    │
│ Haben: 5009 Durchlaufkonto                    CHF    450.00    │
│                                                                 │
│ Soll:  5700 Sozialversicherungsaufwand        CHF     28.80    │
│ Haben: 2270 Verbindlichkeiten AHV             CHF     28.80    │
│        (AG-Anteil 6.4% auf CHF 450)                            │
│                                                                 │
│ Soll:  5009 Durchlaufkonto                    CHF    450.00    │
│ Haben: 6270 Privatanteil Fahrzeug             CHF    450.00    │
│                                                                 │
│ Soll:  6270 Privatanteil Fahrzeug             CHF     33.72    │
│ Haben: 2200 Geschuldete MWST                  CHF     33.72    │
│        (MWST: 450 / 1.081 × 0.081)                             │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Beispiel 2: Einzelfirma - Jährlicher Privatanteil

Ausgangslage: Kaufpreis CHF 35'000 (exkl. MWST), Privatanteil CHF 3'780/Jahr

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ BUCHUNG Einzelfirma - Privatanteil Geschäftsfahrzeug            │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ Soll:  2900 Privat                            CHF  3'780.00    │
│ Haben: 6270 Privatanteil Fahrzeug             CHF  3'780.00    │
│                                                                 │
│ Soll:  6270 Privatanteil Fahrzeug             CHF    283.62    │
│ Haben: 2200 Geschuldete MWST                  CHF    283.62    │
│        (MWST: 3'780 / 1.081 × 0.081)                           │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Checkliste Privatanteil Geschäftsfahrzeug

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│         CHECKLISTE PRIVATANTEIL GESCHÄFTSFAHRZEUG               │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│ GRUNDLAGEN                                                      │
│ □ Kaufpreis (exkl. MWST) dokumentiert                           │
│ □ Methode gewählt (Pauschale oder Fahrtenbuch)                  │
│ □ > 50% geschäftliche Nutzung nachweisbar                       │
│                                                                 │
│ BERECHNUNG                                                      │
│ □ 0.9% pro Monat vom Kaufpreis (exkl. MWST)                     │
│ □ Minimum CHF 150/Monat geprüft                                 │
│ □ Bei Leasing: Barkaufpreis verwendet                           │
│                                                                 │
│ LOHNAUSWEIS (GmbH/AG)                                           │
│ □ Ziffer 2.2 ausgefüllt                                         │
│ □ Feld F angekreuzt (bei Arbeitsweg)                            │
│ □ Sozialabgaben berechnet                                       │
│                                                                 │
│ MWST                                                            │
│ □ Privatanteil in Ziffer 200 deklariert                         │
│ □ MWST-Betrag korrekt berechnet                                 │
│                                                                 │
│ BUCHHALTUNG                                                     │
│ □ Monatliche/jährliche Buchung vorgenommen                      │
│ □ Bei Einzelfirma: Privatkonto belastet                         │
│ □ Bei GmbH/AG: Als Lohnbestandteil erfasst                      │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Fazit

Der Privatanteil am Geschäftsfahrzeug ist ein wichtiges Steuer-Thema. Mit der richtigen Dokumentation und Berechnung vermeidest du böse Überraschungen.

Die wichtigsten Punkte:

  • 0.9% pro Monat vom Kaufpreis (exkl. MWST)
  • Minimum CHF 150/Monat
  • Feld F im Lohnausweis nicht vergessen
  • MWST auf Privatanteil deklarieren
  • ✅ Methode konsequent beibehalten

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