Nutzt du dein Geschäftsfahrzeug auch privat? Dann musst du einen Privatanteil versteuern. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du den Privatanteil korrekt berechnest, welche MWST-Regeln gelten und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Privatanteil?
- Aktuelle ESTV-Sätze 2026
- Berechnung mit Beispielen
- Fahrtenbuch vs. Pauschale
- MWST-Behandlung
- Unterschiede Einzelfirma vs. GmbH
- Elektrofahrzeuge
- Häufige Fehler vermeiden
- Buchungsbeispiele
Was ist der Privatanteil?
Wenn du ein Geschäftsfahrzeug auch privat nutzt, entsteht ein geldwerter Vorteil. Diesen Vorteil nennt man Privatanteil. Er muss versteuert werden als:
- Einkommen (Einkommenssteuer)
- Lohnbestandteil (AHV/IV/EO-pflichtig bei GmbH/AG)
- Umsatz (MWST-pflichtig)
Warum ist das wichtig?
| Konsequenz | Bei Nichtbeachtung | |------------|-------------------| | Steuernachzahlung | ⚠️ Nachforderung + Verzugszins | | AHV-Korrektur | ⚠️ Nachzahlung Arbeitgeber + Arbeitnehmer | | MWST-Korrektur | ⚠️ Nachzahlung + Verzugszins | | Steuerhinterziehung | ⚠️ Bussen möglich |
Aktuelle ESTV-Sätze 2026
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) legt die Sätze fest:
Pauschale Methode (Standard)
| Kriterium | Wert | |-----------|------| | Monatliche Pauschale | 0.9% des Kaufpreises (exkl. MWST) | | Jährliche Pauschale | 10.8% des Kaufpreises | | Mindestbetrag pro Monat | CHF 150.00 | | Mindestbetrag pro Jahr | CHF 1'800.00 |
Wichtig: Seit 2022 gilt 0.9% (vorher 0.8%) - der Arbeitsweg ist nun integriert.
Voraussetzungen
Die Pauschale gilt nur, wenn:
- ✅ Das Fahrzeug zu mehr als 50% geschäftlich genutzt wird
- ✅ Es sich um einen Personenwagen handelt (max. 3.5t, max. 9 Personen)
Berechnung mit Beispielen
Die Formel
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ │
│ Privatanteil pro Monat = Kaufpreis (exkl. MWST) × 0.9% │
│ │
│ Privatanteil pro Jahr = Kaufpreis (exkl. MWST) × 10.8% │
│ │
│ Minimum: CHF 150/Monat bzw. CHF 1'800/Jahr │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Beispiel 1: Mittelklasse-Fahrzeug
| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 45'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 41'628 | | Privatanteil/Monat (0.9%) | CHF 374.65 | | Privatanteil/Jahr (10.8%) | CHF 4'495.80 |
Beispiel 2: Premium-Fahrzeug
| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 85'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 78'631 | | Privatanteil/Monat (0.9%) | CHF 707.70 | | Privatanteil/Jahr (10.8%) | CHF 8'492.10 |
Beispiel 3: Günstiges Fahrzeug (Minimum greift)
| Position | Wert | |----------|------| | Kaufpreis inkl. MWST | CHF 15'000 | | Kaufpreis exkl. MWST | CHF 13'876 | | Berechnet (0.9%) | CHF 124.88 | | Minimum greift | CHF 150.00/Monat |
Bei Leasing
Bei Leasingfahrzeugen gilt der Barkaufpreis (exkl. MWST) laut Leasingvertrag als Bemessungsgrundlage.
Fahrtenbuch vs. Pauschale
Du hast zwei Möglichkeiten, den Privatanteil zu ermitteln:
Option 1: Pauschale Methode (0.9%)
Vorteile:
- ✅ Einfach und schnell
- ✅ Kein Aufwand für Dokumentation
- ✅ Von der ESTV akzeptiert
Nachteile:
- ❌ Kann teurer sein bei wenig Privatnutzung
- ❌ Keine Berücksichtigung der tatsächlichen Nutzung
Option 2: Effektive Methode (Fahrtenbuch)
Vorteile:
- ✅ Kann günstiger sein bei wenig Privatnutzung
- ✅ Exakte Abbildung der Realität
Nachteile:
- ❌ Hoher Dokumentationsaufwand
- ❌ Strenge Anforderungen an das Fahrtenbuch
Anforderungen an das Fahrtenbuch
Ein gültiges Fahrtenbuch muss enthalten:
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ FAHRTENBUCH - PFLICHTANGABEN │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Für JEDE Fahrt: │
│ │
│ □ Datum │
│ □ Uhrzeit (Start und Ende) │
│ □ Kilometerstand (vor und nach der Fahrt) │
│ □ Gefahrene Kilometer │
│ □ Start- und Zielort │
│ □ Fahrtzweck (geschäftlich/privat) │
│ □ Bei Geschäftsfahrt: Besuchte Person/Firma │
│ │
│ WICHTIG: │
│ • Muss manipulationssicher sein │
│ • Excel ist NICHT zulässig! │
│ • Lückenlose Führung erforderlich │
│ • Elektronische Fahrtenbücher nur wenn revisionssicher │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Wann lohnt sich welche Methode?
| Private Nutzung | Empfehlung | |-----------------|------------| | < 20% | Fahrtenbuch kann sich lohnen | | 20-50% | Abwägen, meist Pauschale einfacher | | > 50% | Pauschale (oder Fahrzeug ins Privatvermögen) |
Wichtig: Einmal gewählte Methode beibehalten! Wechsel nur bei Fahrzeugwechsel möglich.
MWST-Behandlung
Bei überwiegend geschäftlicher Nutzung (> 50%)
| Schritt | Behandlung | |---------|------------| | Kauf/Leasing | Voller Vorsteuerabzug möglich | | Unterhalt/Betrieb | Voller Vorsteuerabzug möglich | | Privatanteil | Als Umsatz deklarieren (8.1%) |
Berechnung MWST auf Privatanteil
Der monatliche Privatanteil gilt als inklusive MWST:
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ MWST-BERECHNUNG PRIVATANTEIL │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Beispiel: Kaufpreis CHF 50'000 (exkl. MWST) │
│ │
│ Privatanteil pro Monat: CHF 50'000 × 0.9% = CHF 450.00 │
│ │
│ Dieser Betrag versteht sich INKL. MWST │
│ │
│ MWST-Betrag: CHF 450 ÷ 1.081 × 0.081 = CHF 33.72 │
│ Netto-Betrag: CHF 450 ÷ 1.081 = CHF 416.28 │
│ │
│ Deklaration: Ziffer 200 der MWST-Abrechnung │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Bei weniger als 50% geschäftlicher Nutzung
- ⚠️ Vorsteuerabzug muss proportional korrigiert werden
- ⚠️ Effektive Ermittlung mittels Fahrtenbuch erforderlich
Unterschiede Einzelfirma vs. GmbH
Einzelfirma (Selbständigerwerbende)
| Aspekt | Regelung | |--------|----------| | Zuordnung | > 50% geschäftlich = Geschäftsvermögen | | Verbuchung | Als Privatbezug (Konto 2900 Privat) | | Lohnausweis | Nicht relevant | | Sozialabgaben | Keine zusätzlichen |
GmbH / AG
| Aspekt | Regelung | |--------|----------| | Lohnausweis | Ziffer 2.2 deklarieren | | Feld F | Ankreuzen (unentgeltliche Beförderung) | | Sozialabgaben | AHV/IV/EO/ALV-pflichtig! | | Mehrere Fahrzeuge | Ab 2. Fahrzeug: 100% als Privatanteil |
Lohnausweis korrekt ausfüllen
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ LOHNAUSWEIS - GESCHÄFTSFAHRZEUG │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Ziffer 2.2 - Gehaltsnebenleistungen │
│ ──────────────────────────────────── │
│ "Privatanteil Geschäftsfahrzeug" CHF 4'500.00 │
│ │
│ Feld F - Unentgeltliche Beförderung │
│ ─────────────────────────────────── │
│ [X] Ankreuzen wenn Arbeitsweg mit Geschäftsfahrzeug │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Wichtig: Vergisst du Feld F, kann der Mitarbeiter fälschlicherweise den Fahrtkostenabzug geltend machen!
Elektrofahrzeuge
MWST-Behandlung
Die ESTV macht keinen Unterschied zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen:
- ✅ Gleiche 0.9% Pauschale
- ✅ Gleiches Minimum (CHF 150/Monat)
- ✅ Gleiche Vorsteuerabzugsregeln
Automobilsteuer
Seit 1. Januar 2024 gilt:
- 4% Importsteuer auch auf Elektrofahrzeuge
- Die bisherige Steuerbefreiung wurde aufgehoben
Stromkosten
| Situation | Behandlung | |-----------|------------| | Laden am Arbeitsort | Geschäftskosten | | Laden zu Hause (geschäftlich) | Abzugsfähig (mit Nachweis) | | Laden zu Hause (privat) | Nicht abzugsfähig |
Tipp: Führe eine separate Dokumentation der Ladevorgänge!
Häufige Fehler vermeiden
❌ Fehler 1: Falsche Bemessungsgrundlage
Problem: Katalogpreis statt effektiver Kaufpreis verwendet.
Lösung: Immer den tatsächlich bezahlten Preis (exkl. MWST) verwenden.
❌ Fehler 2: Feld F im Lohnausweis vergessen
Problem: Mitarbeiter kann unberechtigten Fahrtkostenabzug machen.
Lösung: Bei Arbeitsweg mit Geschäftsfahrzeug immer Feld F ankreuzen.
❌ Fehler 3: Fahrtenbuch in Excel
Problem: Excel ist manipulierbar und wird nicht akzeptiert.
Lösung: Physisches Bordbuch oder manipulationssichere App verwenden.
❌ Fehler 4: MWST auf Privatanteil vergessen
Problem: Privatanteil nicht in MWST-Abrechnung deklariert.
Lösung: Monatlich/quartalsweise in Ziffer 200 deklarieren.
❌ Fehler 5: Mehrere Fahrzeuge falsch behandelt
Problem: Für Zweitfahrzeug normalen Privatanteil berechnet.
Lösung: Ab dem 2. Fahrzeug pro Person: 100% der Kosten als Privatanteil.
❌ Fehler 6: Methodenwechsel während des Jahres
Problem: Von Pauschale auf Fahrtenbuch gewechselt (oder umgekehrt).
Lösung: Methode für das gesamte Jahr beibehalten.
❌ Fehler 7: Keine Dokumentation der 50%-Regel
Problem: Bei Kontrolle kann überwiegende Geschäftsnutzung nicht nachgewiesen werden.
Lösung: Mindestens grobe Aufzeichnungen führen.
Buchungsbeispiele
Beispiel 1: GmbH - Monatlicher Privatanteil
Ausgangslage: Kaufpreis CHF 50'000 (exkl. MWST), Privatanteil CHF 450/Monat
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ BUCHUNG GmbH - Privatanteil Geschäftsfahrzeug │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Soll: 5000 Lohnaufwand (Naturallohn) CHF 450.00 │
│ Haben: 5009 Durchlaufkonto CHF 450.00 │
│ │
│ Soll: 5700 Sozialversicherungsaufwand CHF 28.80 │
│ Haben: 2270 Verbindlichkeiten AHV CHF 28.80 │
│ (AG-Anteil 6.4% auf CHF 450) │
│ │
│ Soll: 5009 Durchlaufkonto CHF 450.00 │
│ Haben: 6270 Privatanteil Fahrzeug CHF 450.00 │
│ │
│ Soll: 6270 Privatanteil Fahrzeug CHF 33.72 │
│ Haben: 2200 Geschuldete MWST CHF 33.72 │
│ (MWST: 450 / 1.081 × 0.081) │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Beispiel 2: Einzelfirma - Jährlicher Privatanteil
Ausgangslage: Kaufpreis CHF 35'000 (exkl. MWST), Privatanteil CHF 3'780/Jahr
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ BUCHUNG Einzelfirma - Privatanteil Geschäftsfahrzeug │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ Soll: 2900 Privat CHF 3'780.00 │
│ Haben: 6270 Privatanteil Fahrzeug CHF 3'780.00 │
│ │
│ Soll: 6270 Privatanteil Fahrzeug CHF 283.62 │
│ Haben: 2200 Geschuldete MWST CHF 283.62 │
│ (MWST: 3'780 / 1.081 × 0.081) │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Checkliste Privatanteil Geschäftsfahrzeug
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ CHECKLISTE PRIVATANTEIL GESCHÄFTSFAHRZEUG │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ │
│ GRUNDLAGEN │
│ □ Kaufpreis (exkl. MWST) dokumentiert │
│ □ Methode gewählt (Pauschale oder Fahrtenbuch) │
│ □ > 50% geschäftliche Nutzung nachweisbar │
│ │
│ BERECHNUNG │
│ □ 0.9% pro Monat vom Kaufpreis (exkl. MWST) │
│ □ Minimum CHF 150/Monat geprüft │
│ □ Bei Leasing: Barkaufpreis verwendet │
│ │
│ LOHNAUSWEIS (GmbH/AG) │
│ □ Ziffer 2.2 ausgefüllt │
│ □ Feld F angekreuzt (bei Arbeitsweg) │
│ □ Sozialabgaben berechnet │
│ │
│ MWST │
│ □ Privatanteil in Ziffer 200 deklariert │
│ □ MWST-Betrag korrekt berechnet │
│ │
│ BUCHHALTUNG │
│ □ Monatliche/jährliche Buchung vorgenommen │
│ □ Bei Einzelfirma: Privatkonto belastet │
│ □ Bei GmbH/AG: Als Lohnbestandteil erfasst │
│ │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
Fazit
Der Privatanteil am Geschäftsfahrzeug ist ein wichtiges Steuer-Thema. Mit der richtigen Dokumentation und Berechnung vermeidest du böse Überraschungen.
Die wichtigsten Punkte:
- ✅ 0.9% pro Monat vom Kaufpreis (exkl. MWST)
- ✅ Minimum CHF 150/Monat
- ✅ Feld F im Lohnausweis nicht vergessen
- ✅ MWST auf Privatanteil deklarieren
- ✅ Methode konsequent beibehalten
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