Zum Hauptinhalt springen
Alle Begriffe

Rückstellung

Bilanzposition für wahrscheinliche, dem Geschäftsjahr zuzurechnende künftige Mittelabflüsse, deren Höhe oder Fälligkeit noch ungewiss ist (OR 960e Abs. 2).

Auch bekannt als: Provision, Vorsorge

Definition

Rückstellungen sind eine Bilanzposition des Fremdkapitals und antizipieren wahrscheinliche, aber in Höhe oder Zeitpunkt unsichere Verbindlichkeiten. Sie unterscheiden sich von Verbindlichkeiten dadurch, dass weder der genaue Betrag noch der Fälligkeitstermin feststehen, sowie von Wertberichtigungen, die direkt einen Aktivposten korrigieren. Typische Anwendungsfälle sind Garantieverpflichtungen, hängige Prozesse, Steuerrisiken und Sanierungsverpflichtungen.

OR 960e Abs. 2 verlangt: Lassen vergangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten, so sind die voraussichtlich erforderlichen Rückstellungen zu Lasten der Erfolgsrechnung zu bilden. Diese Pflicht-Rückstellungen sind zwingend. OR 960e Abs. 3 erlaubt zusätzlich freiwillige Rückstellungen für regelmässig anfallende Garantieaufwendungen, Sanierungen, Restrukturierungen und zur Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens — diese schaffen stille Reserven.

Eine besondere Schweizer Eigenheit: Nach OR 960e Abs. 4 müssen nicht mehr begründete Rückstellungen nicht aufgelöst werden. Damit toleriert das Schweizer Rechnungslegungsrecht systematisch stille Reserven. Steuerlich sind Rückstellungen nur dann abzugsfähig, wenn sie geschäftsmässig begründet sind; offensichtlich überhöhte oder unbegründete Rückstellungen werden vom Steueramt aufgerechnet.

Beispiel

Hersteller bildet per 31.12. eine Garantierückstellung von 2 % des Jahresumsatzes (CHF 2'000'000 × 2 % = CHF 40'000). Buchung: Soll 6800 Übriger Betriebsaufwand CHF 40'000 / Haben 2330 Kurzfristige Rückstellungen CHF 40'000.

Zuletzt geprüft:

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Rückstellung und Rücklage?

Die Rückstellung ist Fremdkapital: eine wahrscheinliche Verpflichtung mit ungewisser Höhe oder Fälligkeit, gebildet zu Lasten der Erfolgsrechnung. Die Rücklage (Reserve) ist Eigenkapital: zurückbehaltener Gewinn ohne Verpflichtung gegenüber Dritten. Beide werden im Alltag oft verwechselt, stehen aber auf verschiedenen Seiten der Passiven.

Wann muss ich eine Rückstellung bilden?

Wenn ein vergangenes Ereignis einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten lässt — etwa laufende Garantiefälle, hängige Prozesse oder Steuerrisiken (OR 960e Abs. 2). Diese Bildung ist Pflicht. Freiwillige Rückstellungen für Sanierungen oder das «dauernde Gedeihen» sind zusätzlich erlaubt (OR 960e Abs. 3).

Werden Rückstellungen steuerlich anerkannt?

Nur wenn sie geschäftsmässig begründet sind, also einem konkreten Risiko entsprechen. Offensichtlich überhöhte oder pauschal gebildete Rückstellungen rechnet die Steuerverwaltung zum steuerbaren Gewinn auf.

Mehr als nur eine Definition?

Mit Pfeffersack automatisierst du Buchhaltung, MWST-Abrechnung und Rechnungen komplett. Starte kostenlos – keine Kreditkarte erforderlich.