Stundensatz berechnen als Selbständige*r in der Schweiz – Anleitung mit Rechner 2025

Lerne, wie du deinen optimalen Stundensatz als Selbständige*r in der Schweiz berechnest. Mit konkreter Formel, Branchenvergleich und praktischem Rechenbeispiel.

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Als Selbständiger in der Schweiz ist die Frage nach dem richtigen Stundensatz entscheidend für deinen wirtschaftlichen Erfolg. Viele Gründerinnen machen den Fehler, ihren Stundensatz zu niedrig anzusetzen – und wundern sich dann, warum am Ende des Monats kaum etwas übrig bleibt. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen optimalen Stundensatz berechnest.

Das Problem: Warum 50 CHF pro Stunde nicht genug sind

Viele Selbständige denken: "Als Angestellter verdiente ich 50 CHF pro Stunde, also verlange ich als Selbständiger auch 50 CHF." Das ist ein fataler Denkfehler.

Als Angestellte*r zahlt dein Arbeitgeber zusätzlich:

  • AHV/IV/EO-Beiträge (ca. 5.3% des Lohns)
  • Pensionskasse (oft 50% der Beiträge)
  • Unfallversicherung (Berufsunfall)
  • Krankentaggeldversicherung
  • Ferienentschädigung (ca. 8-10%)
  • Feiertage (ca. 3-4%)

Als Selbständige*r musst du all diese Kosten selbst tragen – plus Büro, Software, Weiterbildung und vieles mehr.

Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz

Die Grundformel für deinen Stundensatz lautet:

Stundensatz = (Zieleinkommen + Kosten) / Abrechenbare Stunden

Lass uns die drei Komponenten im Detail anschauen:

1. Dein Zieleinkommen bestimmen

Wie viel möchtest du netto verdienen? Bedenke dabei:

  • Lebenshaltungskosten (Miete, Essen, Freizeit)
  • Altersvorsorge (3. Säule)
  • Rücklagen für Notfälle
  • Steuern (je nach Kanton 15-30%)

Beispiel: Du möchtest netto 6'000 CHF pro Monat = 72'000 CHF pro Jahr

2. Deine Kosten ermitteln

Hier die wichtigsten Kostenpositionen für Schweizer Selbständige:

Kostenposition Richtwert pro Jahr
AHV/IV/EO (9.7% vom Einkommen) CHF 7'000 - 10'000
Unfallversicherung CHF 500 - 1'500
Krankentaggeld (optional) CHF 1'200 - 2'400
Berufshaftpflicht CHF 300 - 800
Büro / Coworking CHF 0 - 12'000
Software & Tools CHF 500 - 2'000
Weiterbildung CHF 500 - 3'000
Marketing & Akquise CHF 500 - 5'000
Buchhaltung & Treuhand CHF 0 - 3'000
Total Kosten CHF 11'000 - 40'000

3. Abrechenbare Stunden berechnen

Hier machen die meisten Selbständigen einen grossen Fehler: Sie rechnen mit 40 Stunden pro Woche × 52 Wochen = 2'080 Stunden.

Die Realität sieht anders aus:

Nicht abrechenbare Zeit Abzug
Ferien (5 Wochen) -200 Stunden
Feiertage (ca. 10 Tage) -80 Stunden
Krankheit & Arzttermine -40 Stunden
Weiterbildung -40 Stunden
Akquise & Marketing -200 Stunden
Administration & Buchhaltung -150 Stunden
Angebote & Offerten schreiben -100 Stunden
Verfügbare Stunden ca. 1'270 Stunden

Davon sind erfahrungsgemäss nur 60-70% abrechenbar, also ca. 800-1'000 Stunden pro Jahr.

Rechenbeispiel: Grafikdesigner*in in Zürich

Nehmen wir ein konkretes Beispiel:

Zieleinkommen: 80'000 CHF brutto (vor Steuern)

Jährliche Kosten:

  • AHV/IV/EO: 7'760 CHF
  • Unfallversicherung: 800 CHF
  • Krankentaggeld: 1'800 CHF
  • Berufshaftpflicht: 400 CHF
  • Coworking: 4'800 CHF
  • Software (Adobe, etc.): 1'200 CHF
  • Weiterbildung: 1'500 CHF
  • Marketing: 2'000 CHF
  • Total Kosten: 20'260 CHF

Abrechenbare Stunden: 900 Stunden/Jahr

Stundensatz-Berechnung:

(80'000 + 20'260) / 900 = 111.40 CHF

Empfohlener Stundensatz: ca. 115-120 CHF (mit kleinem Puffer)

Stundensatz-Richtwerte nach Branche (Schweiz 2025)

Branche Einsteiger Erfahren Expert
Webentwicklung 90-120 CHF 120-180 CHF 180-250+ CHF
Grafikdesign 80-100 CHF 100-150 CHF 150-200+ CHF
Texten/Copywriting 80-100 CHF 100-140 CHF 140-200+ CHF
Beratung/Coaching 120-150 CHF 150-250 CHF 250-400+ CHF
Fotografie 100-150 CHF 150-220 CHF 220-350+ CHF
Handwerk 70-90 CHF 90-130 CHF 130-180+ CHF

5 Tipps für den optimalen Stundensatz

1. Unterschätze deine Kosten nicht

Plane einen Puffer von 10-15% für unvorhergesehene Ausgaben ein. AHV-Nachzahlungen oder Steuerrechnungen kommen oft überraschend.

2. Differenziere deine Preise

Nicht jede Arbeit ist gleich viel wert. Für Spezialaufgaben kannst du mehr verlangen als für Routinearbeiten.

3. Wert statt Zeit verkaufen

Für manche Projekte ist ein Pauschalpreis besser als ein Stundensatz. Wenn du ein Logo in 2 Stunden erstellst, ist es für den Kunden trotzdem mehrere hundert Franken wert.

4. Regelmässig anpassen

Erhöhe deinen Stundensatz jährlich um mindestens die Inflationsrate (2-3%). Mit wachsender Erfahrung solltest du mehr verlangen.

5. Nicht unter Wert arbeiten

Kunden, die nur den billigsten Preis wollen, sind selten die besten Kunden. Ein fairer Preis zieht faire Kunden an.

Häufige Fehler bei der Stundensatz-Kalkulation

Fehler 1: AHV-Beiträge vergessen Als Selbständige*r zahlst du 9.7% AHV/IV/EO-Beiträge auf deinem Einkommen. Das wird oft vergessen.

Fehler 2: Zu viele abrechenbare Stunden annehmen Realistisch sind 800-1'200 Stunden pro Jahr. Wer mit 2'000 rechnet, wird enttäuscht.

Fehler 3: Steuern nicht einkalkulieren Je nach Kanton zahlst du 15-30% Einkommenssteuern. Rechne das von Anfang an ein.

Fehler 4: Keine Rücklagen bilden Plane 3-6 Monatsgehälter als Reserve ein. Das gibt dir Sicherheit in Auftragsfluten.

Fazit: Der richtige Stundensatz für deinen Erfolg

Ein gut kalkulierter Stundensatz ist die Grundlage für ein erfolgreiches Selbständigen-Dasein in der Schweiz. Die Faustregel: Dein Stundensatz sollte mindestens 100-120 CHF betragen – auch als Einsteiger*in.

Wichtig ist:

  • Alle Kosten realistisch einkalkulieren
  • Abrechenbare Stunden konservativ schätzen
  • Regelmässig überprüfen und anpassen

Mit einer guten Buchhaltungssoftware wie Pfeffersack behältst du den Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben – und kannst deinen Stundensatz jederzeit überprüfen.


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